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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 378 -
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Tagebücher378 zuhause. Wir hatten daher bey Ausarbeitung unseres operates, woran wir mit großem eifer arbeiteten, manche große meinungsverschiedenheit, und es gab manchmal ziemlich harte sträuße. den stärksten Widerstand fand ich 1. bey der von mir beantragten trennung der landesadministration von der reichsgewalt, welche zwar in den von uns verfaßten entwurf auf- genommen wurde, wobey er sich aber die vertheidigung seiner Ansicht bey der nächsten allgemeinen Besprechung vorbehielt, 2. bey meiner idee der Abtretung einer bestimmten steuergattung, z.B. der grundsteuer, an die Landtage, wogegen er theils aus finanziellen Gründen, theils deßwegen stimmte, weil er die landessteuern gleichmäßig auf alle contribuenten umlegen möchte. es wurde dann diese frage in unserem entwurfe einem späteren gesetze vorbehalten, 3. bey der frage über die landeskassen, wel- che er aus altständischer reminiscenz dem landesausschusse, ich aber im interesse einer kräftigen executive dem statthalter zuweisen wollte. hier wurde ein mezzo termine gefunden. im übrigen enthält der entwurf so ziemlich meine Ansichten vollständig, ich werde ihn nun copiren lassen, versenden und die nächste Besprechung (hoffentlich in größerer Anzahl) auf den 25. August bis 1. september be- stimmen. über Änderungen im gemeindegesetze, in der politischen und gerichtlichen organisirung soll dann ebenfalls conferirt, die bis dahin ge- sammelten erfahrungen benützt und hiernach der entwurf abgefaßt wer- den. stifft will darüber etwas schreiben. Weiters wird mittlerweilen nichts geschehen. dagegen soll dahin ge- wirkt werden, die bevorstehenden gemeindewahlen in Wien und den an- deren größeren städten möglichst nach unserem sinne zu lenken, es wäre leicht möglich, daß dieses terrain uns für die nächste Zukunft das einzige legale feld der Bewegung bliebe, denn ich kann noch immer kaum an nahe landtage glauben. haynau’s sturz ist noch immer das hauptereigniß. die Polemik darüber, an welcher er selber in ziemlich auffallender Weise gegen das ministerium theilgenommen, dauert fort, noch ein paar solche siege, und letzteres ist verloren. doch scheint es auf diesem Wege fortgehen zu wollen, nur immer zu. Puchner verläßt, auf seinen Wunsch, venedig, und civilstatthalter da- selbst wird – toggenburg, ein obskures individuum, welches italien unge- fähr so kennt wie ich china. Alle stellen, selbst die bedeutendsten, werden so in den koth gezogen, und ein honnetter mensch könnte auch bey dem besten Willen nicht mehr in solche cameradschaft treten. Wieder einen neuen trick hat das ministerium der bedrängten „Presse“ gespielt, nämlich die Postversendung über Wien durch Welden verbiethen lassen! dieses duell ist unwürdig und das mittel ein illegales. übrigens ist mit Zang doch für mich nichts anzufangen, wenn man ihn auch als eine
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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