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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 382 -
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Tagebücher382 füllen werde, so geht es einem, wenn man gar kein chez soi hat, und das fühle ich jetzt täglich mehr, im Winter gehe ich, wenn sich bis dahin nichts ereignet, nach venedig als eine Art von juif errant. hier reizt und erbittert man die leute durch dumme Proklamationen ge- gen dreyfarbige Bänder,1 durch die vexationen der gensd’armerie, welche überhaupt nach ihren jetzigen instructionen das unerträglichste institut der Welt zu werden scheint, etc. etc. merkwürdig ist dabey die ruhe und ordnung des landes nach einem solchen kriege und die würdevolle Art, womit man sich den (so verhaßten und ungeschickten) maßregeln der re- gierung unterwirft, in der überzeugung ihrer unhaltbarkeit und ihres na- hen sturzes. keine reibungen, keine insulten, ja selbst keine feindschaft oder Abgeschlossenheit gegen die regierungsorgane (am allerwenigsten gegen das militär, welches sich in der mehrzahl gut benimmt und beliebt ist), wie sie in italien und wohl auch anderswo vorkommen. man muß ge- stehen, daß die ungarn (nicht bloß magyaren) eine politische reife, eine lebenskraft haben, welche Bewunderung verdient und in geschickten hän- den großes leisten wird. Diese stümper verstehen es freylich nicht, und ihren nachfolgern wird die Arbeit schwer gemacht, vielleicht unmöglich, wenn die jetzigen minister durch eine revolution oder durch einen reichs- tag stürzen, welcher sich nicht zu mäßigen verstehen sollte. der einzige heilsame Weg wäre, die überzeugung des kaisers zu gewinnen und ihn zu einer freywilligen systemsänderung zu bringen. Aber er ist 19 Jahre alt und umgarnt. Wie da durchdringen?! oder ist es vielleicht die fügung des schicksals, daß wir den gewöhnlichen Weg durch die republik gehen sollen, zu unserer regenerirung? Pesth, 10. August morgens vorgestern nachmittags verließ ich füred. es wurde in den letzten tagen schon sehr leer. meine Absicht war gewesen, von da zu edmund Zichy nach sz. mihály zu gehen, er kam aber selbst nach füred und sagte mir, daß er genöthigt sey, nach Wien zu reisen. obwol mir nun die schöne gegend und selbst das dortige leben in seiner ruhe und einförmigkeit ganz gut be- hagte, so war es doch auf längere Zeit besonders deßwegen nicht fortzufüh- ren, weil mit dem Weggehen der Badegäste auch die wenigen comforts des Ortes zu verschwinden anfingen. Am 7. Abends erhob sich plötzlich ein hef- tiger sturm, so daß irma Zichy, die sich eben auf dem see befand, in tihány übernachten mußte, der tag darauf war sehr rauh und unfreundlich, am nachmittage fuhr ich auf dem noch ziemlich bewegten see nach kenese 1 Bänder in den ungarischen nationalfarben rot-weiß-grün.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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