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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 394 -
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Tagebücher394 nun den Ausgang mit fatalistischer ruhe. der ganze knoten liegt in meinen zerrütteten finanzen, um so mehr als meine ganze stellung und politische Bedeutung davon abhängt, daß diese nicht offenkundig werden, ein conser- vativer Parteyführer, ein mann des grundbesitzes, der selbstregierung und der Aristokratie muß in einer finanziell unabhängigen lage seyn, wenn er gelten soll. ich habe in Wien die rachel in horace gesehen,1 auch stolipine und ou- stinoff waren in Wien, und ich besuchte sie. gestern Abend fuhr ich mit dobl hoff zurück, der arme mann wird, seit er hier ist, von allen malconten- ten, und ihre Zahl ist legion, überlaufen und hält sich daher so incognito als möglich. ich habe ihn in diesen tagen ein paarmal sehr lange gesprochen, es gibt wenige menschen, für die ich eine solche Zuneigung habe wie für ihn, obwohl ich seine schwächen einsehe und in manchen wesentlichen dingen andere Ansichten habe als er. heute hatten wir endlich einen schönen, herrlichen tag, ziemlich den er- sten seit ich hier bin. hier will die unterhaltungswuth nicht aufhören. die- sen Abend war ich eine halbe stunde auf einem costumirten Balle bey frau v. Joëlson, wohin ich gepreßt wurde, verschwand aber bald und genoß die magnifique mondnacht. mein Jäger hat sich den fuß verrenkt und liegt im Bette, was mir sehr unbequem ist. ich habe seit langer Zeit kein Buch gelesen, welches mir soviel vergnü- gen gemacht hat, wie macAulays gesammelte Aufsätze für das edinburgh review in 5 Bänden,2 welche ich jetzt vor mir habe. ein schatz von Wissen, eine meisterhafte darstellung. [Baden] 28. september heute habe ich mein 20. und letztes Bad genommen und kehre übermorgen montag in die stadt zurück, es ist jetzt seit 8 tagen ein herrliches herbst- wetter, und es thut mir beynahe leid, gerade jetzt wegzugehen, ich war fast den ganzen tag im freyen, nur die Abende, die jetzt freylich schon um 1/2 7 anfangen, wurden mir lang und langweilig, ich mußte nothgedrungen täg- lich mich im theater langweilen und nachher in einem nach tabak stinken- den caffehhause die Zeitungen lesen. gabrielle ist seit vorgestern wieder in Wien und war gestern auf einen Augenblick hier, sie wird nur einige tage in Wien bleiben und dann hieher in die Weilburg ziehen, so daß ich sie also 1 die camille in corneilles horace war eine der Paraderollen von elisa rachel felix, genannt mlle. rachel. 2 thomas macaulays critical and historical essays contributed to the edinburgh review erschienen erstmals 1843. Andrian dürfte die Ausgabe leipzig 1850 (in 5 Bänden) gelesen haben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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