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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher400 mit Briefen à la Junius1 den ministern ihr sündenregister vorzuhalten und über ihnen das hallali zu blasen. der staatsanwalt hat gegen die Babarczysche Brochure (die noch immer das thema des tages und der Journale ist) einen Prozeß eingeleitet, der, wenn er nicht – wie ich fürchte – vom ministerium aus kleinmuth niederge- schlagen wird, ein historisch merkwürdiger werden dürfte, ungefähr so wie der des dr. sacheverel.2 übrigens dürfte diese Brochure, die sich anmaßt im nahmen der Armée zu sprechen, eben weil diese durchaus nicht eines sin- nes ist, unter derselben spaltungen hervorrufen, was auch zum theile schon geschehen zu seyn scheint. vor 2, ja noch vor einem Jahre sprach diese, vor Allen aber die italienische Armée, ganz verteufelt constitutionell, und bey vielen, ja wohl bey den mehreren, dürfte dieses auch ihre aufrichtige An- sicht gewesen seyn und noch seyn. übrigens war diese ganze Brochure (welche des hofes, der stiftsdamen und der generäle enthusiasmus erregt) nichts als eine intrigue Josikas, Wirkners & comp., welche dadurch dem ministerium einen streich führen wollten und den armen Babarczy als opfer vorschoben, das war ganz ge- schickt berechnet, obwohl ich nicht glaube, daß am ende sie die früchte da- von ärndten [sic] werden. die finanziellen verhältnisse werden, wie begreiflich, immer schlechter, der Bankerott naht unaufhaltsam. das italienische Anleihen ist nicht zu- standegekommen, was für unseren kredit spricht, somit hätte sich krauss nunmehr die möglichkeit eines Anlehens ohne reichstag benommen, und es bleibt ihm, um das deficit zu decken, nichts mehr übrig als Papiergeldfabri- cation und verheimlichung des finanzzustandes – wie lange? [Wien] 20. oktober die verhältnisse haben noch keinen schritt zur lösung gethan, jedoch schei- nen sie sich im inneren wie nach auswärts immer unbefriedigender für uns zu gestalten. in kurhessen, wo sich Alles, militair, Behörden und volk in bewundernswürdiger ruhe und gesetzlichkeit gegen den kurfürsten ausge- sprochen hat, scheint dieser endlich der nothwendigkeit weichen zu wollen, wenigstens versucht er ein neues cabinet zu bilden. Wir, die wir das ganze angezettelt, lassen ihn im stiche, da wir die unmöglichkeit einsehen, krieg mit Preußen zu führen, eine neue déconfiture der schwarzenbergschen in- 1 die anonymen regierungskritischen Junius letters erschienen von 1769–1772 im londo- ner Public Advertiser. 2 der Prozess gegen den Prediger henry sacheverell 1710 wegen volksverhetzung (sedition) führte zu Aufständen in london und schließlich zum regierungswechsel nach den folgen- den Parlamentswahlen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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