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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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40120. Oktober 1850 triguenpolitik, ja man scheint nun hier sogar die Abdankung des kurfürsten zu wünschen, vermuthlich mit der Arrière-pensée, bey einem thronwech- sel die dortige verfassung umzustürzen. Auch hannover scheint uns untreu werden zu wollen. england hat sich entschieden für Preußen erklärt, und auch die französische Allianz, auf welche man hier in letzterer Zeit sehr zu rechnen schien, scheint sich in das gegentheil, d.i. in eine Allianz frank- reichs mit Preußen zu verwandeln. so bliebe uns dann nur rußland, und auch dieses scheint durchaus nicht so entschieden für uns Parthey nehmen, sondern vielmehr die rolle eines hofmeisters zwey erbosten schuljungen (oesterreich und Preußen) gegenüber spielen und uns so sein übergewicht recht fühlen lassen zu wollen. voilà ou nous en sommes. der kaiser, vor ein paar tagen aus Bregenz zurückgekehrt, wo er mit den königen von Würtem- berg und Bayern ein paar nichtssagende kriegerische trinksprüche wech- selte, wird dieser tage nach Warschau gehen, um bey dem russischen kaiser zu antichambriren. inzwischen fallen die kurse und steigt das Agio, der kredit sinkt immer mehr, die gewerbe fangen an zu stocken, die innere desorganisation nimmt zu, und in folge dessen nimmt der schmuggel in erschreckender Weise überhand, für ungarn kann man weder einen statthalter noch überhaupt Beamte finden, dort und in italien wird die gährung immer größer, in den übrigen Provinzen schreit man nach den landtagen, welche übrigens unter den jetzigen verhältnissen, wie sie das ministerium durch seine ungeschick- lichkeit zuwege gebracht hat, eine baare unmöglichkeit sind, die steuern werden immer drückender und beynahe unerschwinglich, in croatien gährt es sehr stark, und Jellachich ist hier, um dringende vorstellungen zu ma- chen, etc. so steht es im innern. man schreit immer heftiger namentlich ge- gen Bach und krauss, spricht tagtäglich von ministerkrisen etc. doch wird es zu keiner solchen kommen, denn was sollte sie herbeyführen? der kaiser ist eine null, nur eine verhaßte, während kaiser ferdinand eine geliebte null war. dabey schimpfen die minister einer auf den Andern, ganz öffent- lich, auf eisenbahnen etc., nur in dem einen sind sie einig: in dem Wunsche, minister zu bleiben. Babarczy ist denn doch von der Person des kaisers entfernt worden, er kam als Adjutant zum erzherzog rainer, eine halbe maßregel, die nieman- den befriedigen wird. Auch das so eben erschienene Patent wegen hinaus- gabe von staatspapieren zur entschädigung für die abgelösten grundlasten wird dieses schicksal haben, einestheils vermehrt es die masse der umlau- fenden staatspapiere um ein ungeheueres Quantum, andererseits gibt es dem grundherrn ein entwerthetes Papier statt der münze oder der realen sicherheit, welche ihm der Bauer hätte geben können, und die der staat nun an sich zieht, und von einer unterstützung des grundbesitzes durch
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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