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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 406 -
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Tagebücher406 stifft will, als neuernannter gemeinderath, dieses feld zur politischen Agitation benützen und zu diesem ende eine Art von comité auch aus nicht- gemeinderäthen organisiren, was aber nur langsam und mit vorsicht ge- schehen darf. Jedenfalls werden darüber ein paar monathe vergehen, wäh- rend welcher ich ganz wohl abwesend seyn kann. Braucht man mich hier, so kann ich in Zeit von wenig tagen zurück seyn. [Wien] 2. november es ist jetzt eine unerquickliche ermüdende hetze und Aufregung in der politischen Welt und in folge dessen auch in meiner engeren, ein gerücht drängt das Andere, die Aspecten werden dem Anscheine nach kriegerischer, und doch ist an krieg nicht zu denken. truppen marschiren, 100.000 mann aus italien und ungarn werden hier concentrirt, wogegen 14 Bataillons grenzer nach italien ausmarschiren, alle diese spiegelfechtereyen kosten uns 17, nach Andern gegen 25 millionen! nun ist als culminationspunct der demonstration radetzky aus verona hieher berufen worden. mittlerweilen scheinen die Warschauer unterredungen zu friedlichen re- sultaten geführt zu haben, wir geben den Bundestag auf und vereinigen uns zu freyen conferenzen in dresden oder Wien, Preußen räumt Baden und beschränkt die union auf einige kleinere staaten in seiner nachbarschaft, in schleswig wird pacificirt. kaiser nicolaus hat, wie es scheint, sich für keinen der beyden kläffer entschieden, sondern als schiedsrichtender Jupiter ge- handelt.1 Während aber Brandenburg in Warschau negociirte, donnert und blitzt radowitz in Berlin, und der könig verfällt wie gewöhnlich von einem extreme ins Andere, man sprach neulich von seiner Abdankung. unsere mi- nisteriellen Blätter schreyen triumph über Preußen, dessen unionsprojekte (durch seine eigene schuld und halbheit) auch wirklich schmälich zerfal- len, wenn aber jene Warschauer resultate bekannt werden, so wird man finden, daß oesterreich vielleicht mehr nachgegeben hat als Preußen, und daß schwarzenberg durch seine insolente sprache und durch seine jetzigen Jongleurstückchen, welche niemanden täuschen und dennoch als brennende 1 in den verhandlungen in Warschau ende oktober 1850 erklärte russland, die österrei- chische Position in der kurhessischen und schleswig-holsteinischen frage zu unterstüt- zen und gegebenenfalls auch militärisch gegen Preußen zu intervenieren. Zwischen ös- terreich und Preußen wurden dagegen die jeweiligen Positionen in einem notenwechsel dokumentiert und vereinbart, ein sechs Punkte umfassendes Programm zur neugestaltung deutschlands (engerer und weiterer Bund mit preußischer führung im engeren und ge- meinsamer führung unter Ausschluss der übrigen staaten im weiteren Bund, eintritt von gesamtösterreich in den weiteren Bund, der über keine volksvertretung verfügen dürfe, sowie eine Zollunion zwischen deutschland und österreich) einer einzuberufenden konfe- renz der deutschen staaten vorzulegen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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