Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 409 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 409 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II

Bild der Seite - 409 -

Bild der Seite - 409 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II

Text der Seite - 409 -

4097. November 1850 mir scheint, ziemlich im sacke der militairs steckt, meint zwar, die Zeit sey dazu noch nicht gekommen, doch bin ich hierin anderer Ansicht. Als ich Wien verließ, war radowitz entlassen, daher ich Alles so ziem- lich beygelegt glaubte. nun erschien aber gestern in der Wienerzeitung ein offizieller Artikel, eine Art von manifest, worin Alles so ziemlich wieder in frage gestellt scheint, eine Aushebung von 76.000 mann (in dem ohnedem schon so erschöpften lande!!), mobilmachung eines theiles der Armée und das einrücken des legedics’schen Arméecorps in Bayern verkündet wird!1 ein krieg erscheint mir zwar noch immer als so unwahrscheinlich wie sonst, ja nachdem die hauptfragen verglichen sind, als noch unwahrscheinlicher, aber soviel ist gewiß, daß die kostspieligen und gefährlichen demonstratio- nen noch länger fortgesetzt werden sollen – wie lange? – wenn bis zum Ab- schlusse der unterhandlungen, so ist das ende gar nicht abzusehen, denn die Basis dieser unterhandlungen ist von der Art, daß ein Abschluß im rei- che der unmöglichkeit liegt, sie lautet: Wegfallen der volksvertretung je- der Art am Bundestage und – eintritt des gesammten oesterreich in den Bund! letzteres ist eine baare unmöglichkeit, wenn man die innere und äußere selbstständigkeit oesterreichs nicht einem fürstencongresse, wobey es nicht einmahl ausgemacht ist, ob der kaiser von oesterreich immer die Praeponderanz haben wird, preisgeben will. Wie sich unsere regierung da heraus wickeln wird, ist mir unerklärlich. es ist mit einem Worte eine Alli- anz der fürsten (welche sich auf ihre Arméen für immer verlassen zu kön- nen wähnen) gegen ihre völker, wie aber damit auch nur der schein eines constitutionellen lebens auf die dauer möglich seyn soll, ist mir ein räthsel, dabey bedenken sie nicht, daß ehrgeiz und vergrößerungssucht in ihrem la- ger selbst Zwiespalt erregen, daß vor Allen Preußen unverzüglich wieder an- fangen wird, mit der volksgunst zu buhlen und so dem schwachen gebäude den ersten stoß zu geben. kurhessen ist nun von Preußen und Bundestruppen besetzt, rechberg ist Bundescommissär, in seiner Proclamation kein Wort von Aufrechthaltung der verfassung, welche vielmehr, wie man weiß, umgestürzt werden soll, stat pro ratione voluntas, und mit solchen vorgängen will man rechtssinn im volke begründen! ich fürchte, die Warschauer conferenzen haben den sieg der reaktion vollendet. 1 Wiener Zeitung v. 6.11.1850, 3357f. der Artikel beginnt so: „deutschland und seine geschi- cke sind in diesem Augenblicke an einem historischen Wendepunkte angelangt. in wenigen tagen werden und müssen die entscheidenden Würfel fallen, und es wird sich zeigen, ob das Werk einer rechtsbegründeten neugestaltung des deutschen gesammtvaterlandes in friedlichen Wegen vollbracht werden kann, oder ob zu dem schwerte gegriffen werden muß, um die rechte Aller gegen die uebergriffe einzelner zu schützen.“
zurück zum  Buch „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“