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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 410 -
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Tagebücher410 venedig 14. november vormittag Am 9. früh verließ ich grätz. mit mir fuhren ein görzer trottel: hélène lan- thieri, und ein detto aus Böhmen: leopold Windischgrätz. in laibach emp- fahl sich der erste, und ich kam mit dem zweyten per courierwagen glück- lich am 10. um 5 uhr früh in triest an. in triest, dieser unausstehlichen stadt, blieb ich den 10., 11. und 12., weil ich auf gutes Wetter zur überfahrt wartete. ich war viel bey Wimpffen, aß ein paarmahle dort, hörte aber nicht viel vernünftiges. nach Allem scheint mir, daß er sich in seiner stellung sehr wohl befindet, glaube also nicht, daß er, wie Bach und schmerling mich versicherten, seine Abberufung verlangt habe, das war wohl wieder eine der Bach’schen lügen. daß aber alle übri- gen, seine unzulänglichkeit einsehend, einen andern, namentlich einen ci- vilgouverneur wünschen, ist gewiß. er selbst, der noch im letzten frühjahre in Wien voll Bewunderung Bachs war, empfing mich dießmal mit dem Wun- sche, ich möchte ihn (Bach) bald ersetzen. Außerdem sah ich von Bekannten möring, Bakesch, czoernig etc. das ta- gesgespräch war natürlich, so wie sie es hier und überall ist, die kriegsfrage. große Aufregung, panischer schrecken und allgemeine mißbilligugng. in triest sanken die Banknoten etc. gegen silber bis auf 32, ja 35 Procent, in Wien stand silber am 11. auf 26 %! ich kann mir vorstellen, was das dort für eine stimmung hervorrufen muß. nachdem radowitz entlassen war und Preußen sich zur nachgiebigkeit in vielen dingen bereit gezeigt hat, hat schwarzenberg mit dem übermuthe eines schuljungen (geradeso wie nach novara, wo er statt der von radetzky stipulirten 100 millionen 220 begehrte und nach 6 monathen sich mit 75 begnügen mußte),1 den Warschauer verabredungen zuwider, seine forde- rungen immer gesteigert, die Auflösung der union im Principe, die officielle Anerkennung des Bundestages, die duldung der Bundesintervention in kur- hessen verlangt und trotz des ausdrücklichen Begehrens von Preußen die kriegsrüstungen nicht eingestellt. das ist dann Preußen zuviel geworden: es hat die mobilisirung seiner Armée angeordnet und wird in 6 Wochen 500.000 mann beysammen haben. Alle Partheyen haben sich vereinigt, und es herrscht ein enthusiasmus beynahe wie 1813. der könig scheint entschlos- sen, wie lange er es bleiben wird? ist freylich die frage, besonders da sein persönliches dynastisches interesse in ganz kuriose collisionen gerathen wird, ohne eine Allianz mit der fortschrittsparthey wird es im falle eines krieges für ihn nicht abgehen, und darauf scheint man bey uns zu zählen. england wird ganz gewiß für Preußen Partey nehmen, besonders seitdem 1 die friedensverhandlungen mit sardinien-Piemont endeten mit der unterzeichnung des vertrags am 6.8.1849 in mailand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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