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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 416 -
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Tagebücher416 [venedig] 2. dezember die Befürchtungen schwanken hin und her, jedoch befestigen sich die frie- denshoffnungen. schwarzenberg und manteuffel sind in olmütz zusam- mengekommen, wir wollen nun sehen, welches resultat diese Besprechung gehabt haben wird.1 manteuffel und die preußische regierung stecken üb- rigens in der tasche der reaktion nicht viel weniger als die unsrige, daher auch von dieser seite die sache kurhessens (also die des guten rechtes) und schleswigholsteins wohl nicht sehr warm vertheidiget werden wird. höch- stens wird man für die sogenannte ehre Preußens einige Pflästerchen stipu- liren, und sodann wieder beyde theile brüderlich einig werden. Allerdings erschwert die haltung der preußischen kammern manteuffels stellung ei- nigermaßen, denn die große mehrheit, sogar die Partey Bodelschwingh & c. hat sich energisch für kurhessen, schleswigholstein und die volksvertre- tung am Bundestage ausgesprochen. deßhalb spricht man aber auch schon von einer vertagung derselben. in Wien steht silber auf 31, die métallique 94, man hat wie schon so oft, wie 1847, einige ohnmächtige maßregeln gegen die Börsenspeculanten getroffen. frankreich rüstet, england lavirt und wird, wie Palmerston immer that, im entscheidenden momente seine freunde im stiche lassen. dieser mann ruinirt englands stellung. dagegen scheint rußland, das bisher so geschickt operirte, nun ebenfalls den kopf zu verlieren und der leidenschaft zu fol- gen. das erste symptom davon schien mir seine vorzeitige Anerkennung des Bundestages. das zweyte sein Benehmen gegen Preußen, wo es, solange friedrich Wilhelm regiert, keinen gesandten mehr halten will, dadurch stößt es Preußen in das gegnerische lager und isolirt sich immer mehr. man schreibt mir von Wien, ich solle zurückkommen, ohne mir positive gründe dafür zu geben, auf solche aber will ich warten. denn zusehen kann ich ebensogut von hier aus, zu einer wirklichen Wirksamkeit aber, sey es nun eine officielle oder eine andere, scheint mir vor der hand noch keine Aussicht. das Wetter ist noch immer sehr schön. Abends sitze ich im theater oder bey taglioni, bey Jane Pallavicini etc. heute Abends gehen Windischgrätz (vériand) fort. [venedig] 7. dezember der friede ist gesichert, und Preußen hat einen vollständigen triumph da- vongetragen, wenigstens in so fern die Zeitungen (auch die offiziellen) richtig 1 die olmützer Punktation vom 29.11.1859 wendete die drohende kriegsgefahr ab. sie wurde zeitgenössisch – entgegen Andrians Ansicht – weitgehend als preußische niederlage interpretiert.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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