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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 417 -
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4177. Dezember 1850 berichten, wenn eine ehre jetzt gekränkt erscheint, so ist es sicher nicht die preußische, sondern die oesterreichs, welches vor der schilderhebung Preu- ßens bramarbasirte und ohne noth provocirte. in kurhessen werden preußi- sche und Bundestruppen abziehen, und der kurfürst, welcher hassenpflug entläßt, sich mit den ständen vereinbaren, in schleswig wird eine Bundes- execution nicht stattfinden, sondern die statthalterschaft unterhandelt mit österreichischen und preußischen commissarien, beydes niederlagen für oesterreich, welches offensiv auftrat und nun ungefähr die rolle eines da- vongejagten schergen spielt, das odium und den spott hat. der Bundestag aber, der mit solchen versuchen anfing, hat sich moralisch todtgeschlagen, die freyen conferenzen finden in dresden statt, und inzwischen wird der Bundestag suspendirt. das freye unionsrecht Preußens (also der engere Bund) ist zugestanden, ebenso der alternirende vorsitz Preußens, beydes als grundlage bey den zu eröffnenden conferenzen. ich weiß daher wahr- lich nicht, was Preußen zu wünschen übrig bleibt, die räumung Badens und homburgs sind seine einzigen gegenleistungen, und so sehr ich mich auch über den frieden freue, so schmälich ist doch die ganze rolle, welche oe- sterreich in dieser ganzen geschichte gespielt hat. Wenn dieses dazu dienen sollte, dem kaiser über die Bagage schwarzenberg & c. die Augen zu öffnen, so wäre wenigstens ein vortheil erreicht.1 dagegen scheint die kriegerische Parthey im ministerium und in den kammern selbst damit nicht zufrieden, und gestern kam sogar eine tele- graphische nachricht vom rücktritte ladenbergs und der Prorogirung der kammern.2 das wäre dann eine außerordentliche ungeschicklichkeit von seite jener Parthey und wieder ein unverdientes glück für schwarzenberg, indem es dazu dienen würde, den eindruck der niederlage, welche er erlit- ten, zu schwächen. übrigens war die Abneigung und Bestürzung über den krieg bey uns überall, selbst in der Armée, so groß, daß man vorerst nur Jubel und Zufriedenheit vernehmen wird. die consternation in Wien war in jenen tagen ungeheuer, und Alles schien jeden Augenblick Aufstände und unruhen zu befürchten, jetzt steht das silber schon wieder auf 24, unter 20 wird es wohl schwerlich mehr her- abgehen, auch wenn die nun verheißenen Arméereductionen in großem maß- 1 Andrians informationen über inhalt und konsequenzen der olmützer Punktation stamm- ten wohl aus den Presseberichten und sind teilweise unrichtig und irreführend. vgl. zu ei- ner neuen interpretation aus österreichischer sicht stefan lippert, felix fürst zu schwar- zenberg. eine politische Biographie (historische mitteilungen Beiheft 21, stuttgart 1998) 337–344. 2 tatsächlich waren die preußischen kammern vertagt worden. der rücktritt Adalbert v. Ladenbergs erfolgte erst am 19.12.1850, gleichzeitig mit der definitiven Ernennung Frh. otto v. manteuffels zum preußischen ministerpräsidenten und Außenminister.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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