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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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41914. Dezember 1850 kann. so bleibe ich denn hier, wo ich für alle fälle in der nähe und doch nicht in Wien bin, welches letztere mir sehr angezeigt erscheint. ich halte es für klug, mich auf einige Zeit vom schauplatze zu entfernen, da ich doch nicht thätig auftreten kann. mein leben ist übrigens das alte und einför- mige, das theater hat aufgehört, meine Abende verbringe ich entweder, und meistens, bey taglioni oder bey nani esterhazy und Jane Pallavicini. fremde von Bedeutung gibt es nicht, und unbedeutende Bekanntschaften zu machen verlange ich nicht. von italienischen herrn und damen sieht und hört man nichts, selbst meinen früheren männlichen Bekannten gehe ich möglichst aus dem Wege, denn ich habe keine lust, ihre klagen anzuhören. mein männlicher umgang ist ebenfalls sehr beschränkt: Berchtold, noptsa, Becker, kiel, Jennison, troubetzkoi, marmont (bey dem ich gestern aß, und der noch immer der alte interessante Polyhistor ist), favancourt etc. Auch eine maitresse habe ich mir beygelegt, um mich für den Winter zu versorgen (ein mir nach und nach unentbehrlich werdendes Bedürfniß), in der Person einer hübschen sängerinn aus Bologna, signora luigia morselli, und sie amusirt mich durch ihren italienischen Aberglauben, ihre Wahrsagerkünste und ihren leidenschaftlichen italienischen Patriotismus. regiert wird hier scheußlich, oder eigentlich gar nicht, und ebensowenig administrirt, sondern nur desorganisirt und mitunter erschossen und ein- gesperrt. diese militärwirthschaft ist dem teufel zu schlecht, das habe ich auch an schmerling wiederholt geschrieben. der kampf zwischen radetzky und dem ministerium hat auf und ab geschwankt, und franceschinis, der beynahe alle tage zu mir kömmt, erhielt mich darüber in evidenz. das mi- litär, welches den strohmann radetzky vorschob, wehrte sich natürlich wie wüthend um seine fleischtöpfe, jetzt aber scheint es, daß das ministerium gesiegt hat, denn radetzky soll generalissimus werden, in Wien bleiben, und hier die civilregierung wieder eintreten. ich bin neugierig, ob man da- bey an mich denken wird. Wie zu erwarten, tritt die schmach der olmützer Pacification immer mehr ans tageslicht, die höfe von Bayern, Würtemberg etc. sind außer sich, und schwarzenberg soll sehr verstimmt seyn. die dresdner conferenzen begin- nen am 18.1 die Armée ist auf den stand wie im september reducirt worden, das silber, welches langsam aber stetig wieder bis 31 gestiegen war, fällt nun und steht auf 25. übrigens wird sich in dresden die incompatibilität der österreichischen richtung in der deutschen frage mit der aller andern deut- 1 tatsächlich waren alle deutschen staaten von österreich und Preußen gemeinsam am 15.12.1850 eingeladen worden, für verhandlungen über eine reform der Bundesverfassung ihre vertreter bis 23. dezember, dem tag der eröffnung der konferenzen, nach dresden zu entsenden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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