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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher420 schen staaten erst recht zeigen, die lösung derselben ist also theoretisch um keinen schritt vorgerückt, jedoch halte ich einen krieg aus dieser veranlas- sung von unserer seite nach den erfahrungen, die wir eben gemacht haben, für höchst unwahrscheinlich. es wird also für uns wieder heißen: nachge- ben, und zwar dießmal die ganze deutsche Politik umändern, und schwar- zenberg wird sich erinnern, was ihn im April 49, als ich es zu ihm sagte, so ärgerte: heute sagen sie schwarz, morgen weiß.1 in Wien sieht oder sah man wenigstens vor einigen tagen sehr trübe und sprach von zu erwartenden staatsstreichen, Aufhebung der verfassung etc. es beginnt der große kampf zwischen englischen und französischen theo- rieen, welche letzteren jetzt offiziell die oberhand haben, weil aber die er- steren noch kein organ und keine ausgesprochene formel haben, so fürchtet und hofft man (letzteres bey hofe und in einem theile der generalität) den Absolutismus, aus purer dummheit, denn diesen will mit jenen 2 Ausnah- men niemand. Jetzt hat man als einen Pliktri2 mehr den reichsrath ins le- ben berufen, d.h. kübeck zum Präsidenten ernannt, und Pilgram (!) soll das organische gesetz ausarbeiten.3 Wenn sie glauben, dadurch den reichstag entbehrlich zu machen, so irren sie sich, ich halte übrigens auf die ganze in- stitution des reichsrathes nicht viel, freylich auch mit jedem tage weniger auf die ganze verfassung vom 4. märz, ich fange an zu glauben, man wird auf den historischen organischen Boden zurückkehren und an den 15. märz 1848 anknüpfen müssen.4 das hat allerdings jetzt seine großen schwierig- keiten. die verfassung vom 4. märz aber ist durch die fehler, welche das ministerium seit einem Jahre fortwährend begeht, beynahe schon zur un- möglichkeit geworden. [venedig] 19. dezember radetzky kömmt heute in verona an und übernimmt wieder seine frühere stellung. das ministerium hat also eine niederlage erlitten, und die militär- 1 vgl. zur unterredung mit ministerpräsident fürst felix schwarzenberg am 11. April 1849 eintrag v. 13.4.1849. 2 wohl bliktri (ungarisch) – kleinigkeit. 3 die oktroyierte verfassung vom 4.3.1849 (§§ 96–98) sah einen vom kaiser ernannten Reichsrat vor, „dessen Bestimmung ein beratender Einfluß auf alle jene Angelegenheiten sein soll, worüber er von der vollziehenden reichsgewalt um sein gutachten angegangen wird.“ das dafür notwendige besondere gesetz zu seiner einrichtung und Wirksamkeit erhielt nach langen kompetenzstreitigkeiten zwischen dem designierten Präsidenten des reichsrats frh. karl v. kübeck und dem ministerium erst am 13.4.1851 die kaiserliche sanktion und wurde am 18. April veröffentlicht. 4 gemeint ist die kaiserliche Proklamation vom 15.3.1848, in der die einberufung von ver- tretern aller Provinzialstände mit verstärkter vertretung des Bürgerstandes und unter Berücksichtigung der bestehenden Provinzialverfassungen angekündigt wurde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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