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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 421 -
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42119. Dezember 1850 regierung dauert auf unbestimmte Zeit fort. man wird in bisheriger Weise weiter wirthschaften, den günstigen Augenblick, welcher nach der catastro- phe von 1849 für oesterreich in italien vorhanden war und vielleicht jetzt noch benützt werden könnte, unbenützt verstreichen lassen, seine freunde von sich stoßen, seine feinde stärken, und diese reiche fundgrube wird für die gesammtmonarchie verloren seyn. Alles dieses durch die ungeschick- lichkeit, halbheit, miserabilität der minister. Wahrscheinlich kömmt stra- soldo nach mailand, was unter diesen verhältnissen auch wohl das beste ist, um einen mannequin radetzkys und seiner Adjutanten vorzustellen, dazu ist er so gut wie jeder Andere. von dem reichsrathe ist jetzt viel die rede, und man hat mir bereits von Wien geschrieben, daß ich in denselben eintreten sollte. Wird etwas ordent- liches daraus, so wäre es mir auch ganz angenehm, indem es mir eine be- deutende und doch unabhängige Wirksamkeit eröffnen würde. doch weiß ich noch nicht, ob es mit dieser einrichtung überhaupt ernsthaft gemeint ist, ebensowenig ob man unabhängige elemente in denselben aufnehmen oder ihn zu einer bloßen versammlung von Jaherren machen will? ich habe mir darüber nähere Aufschlüsse erbethen und mich auch mit stifft darüber besprochen. hat das ministerium gesunden menschenverstand, so muß es einsehen, daß ein unabhängiger reichsrath ein hemmniß für dasselbe, ein serviler aber nur ein mittel der discreditirung mehr seyn wird, hat also die ernennung kübecks und den ganzen lärmen nur als köder und Brocken hingeworfen, weil ich aber eben an seinem gesunden verstande zweifle, so halte ich es doch für möglich, daß etwas mehreres dahinter steckt. übri- gens wird jetzt wieder stark gegen den finanzminister sturm gelaufen, und diese verhältnisse verschlimmern sich zusehends, das silber steigt wieder bis gegen 30%. in ungarn wird das tabakmonopol, die verzehrungssteuer etc. eingeführt,1 lauter dinge, welche die stellung der regierung dort nur erschweren können. die steyerischen landtagspetitionen und debatten darüber (worüber frank mich au courant erhält) machen, obwol sie in so 1 Als weitere maßnahme zur schaffung eines einheitlichen Zoll- und handelsgebiets wurde mit kaiserlichem Patent v. 29.11.1850 (publiziert am 14.12.1850) das bis dahin nur im en- geren österreich bestehende tabakmonopol auch auf die früheren länder der ungarischen krone (ungarn, kroatien und slawonien, siebenbürgen, Woiwodschaft serbien und teme- ser Banat, militärgrenze) ausgedehnt und eine verzehrungssteuer auf gebrannte alkoholi- sche getränke und Bier (Patent v. 29.9.1850) sowie Wein und fleisch (Patent v. 23.11.1850) eingeführt. das tabakmonopol und die steuern auf Wein und fleisch traten mit 1.3.1851 in kraft, die Bestimmungen für Bier und gebrannte getränke mit 1. Jänner 1851. durch ein Patent vom 7.6.1850 waren bereits die Zwischenzolllinien mit 1. oktober aufgehoben worden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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