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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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4411. März 1851 hat wieder einmahl sein altes spiel gespielt: einschüchtern wollen, insolent auftreten und am ende den schweif einziehen und abziehen, so hat er die in olmütz bereits zugegebenen Wechsel im Präsidium beseitigen wollen, wor- auf dann Preußen offen gegen uns auftrat. das ende von alle dem wird seyn: der alte Bundestag mit einer Art mili- tärcommission von oesterreich und Preußen, voilà tout pour le moment. sehr wichtig könnte der am 22. erfolgte rücktritt des englischen ministeri- ums werden, wenn stanley mit der Bildung eines cabinetts zu stande käme. doch glaube ich nicht daran, sondern daß die bisherigen minister mit einigen modificationen bleiben werden.1 die opposition der Whigs und der radicalen wäre für stanley zu mächtig, selbst wenn die Peeliten sich ihm anschlössen, was ich aber nicht glaube, da zwischen den Protectionisten, die hinter stan- ley stehen, und den Peeliten eine verständigung über diesen cardinalpunkt nicht wahrscheinlich ist. die letzte veranlassung dieser crisis war die vor- läufige Zulassung einer Bill von mr. king, welche nichts geringeres bezweckt als ein verlassen des ständischen Wahlprincips und einen Wahlmodus nach der kopfzahl, würde dieß angenommen, so wäre das im resultate noch weit wichtiger als die reformbill selbst, und ich würde es tief beklagen.2 diesen morgen war ich bey der einsegnung (nach protestantischem ri- tus) der vorgestern verstorbenen elise hohenlohe langenburg, eine sehr rührende ceremonie, welche im hôtel danieli in gegenwart ihrer familie stattfand. ich war, als einer ihrer wenigen hiesigen Bekannten, auch dazu gebethen worden. Wir haben jetzt einige sehr kalte aber schöne Boratage gehabt, mich peini- gen jetzt seit lange wieder Zahnschmerzen, überhaupt hat venedig auf mein Physisches keinen vortheilhaften einfluß, und dennoch verlasse ich es in mancher Beziehung ungern, man attachirt sich eben durch seine ruhige ein- förmigkeit an venedig und das hiesige leben, auch an meine lustige luigia [morselli] habe ich mich gewöhnt, und in Wien erwartet mich fürwahr nicht viel Angenehmes, mir ist ein wenig zu muthe wie dem schüler, der nach den vacanzen wieder ins collegium soll. Wir hatten neulich den letzten garnisonsball, am 4., faschingsdienstag, ist ein Ball bey Wetzlar, dann ist es aus. camilla hoyos und ihre herzige 1 die britische regierung unter lord John russell war nach einer Abstimmungsniederlage im Parlament zurückgetreten. tatsächlich gelang es lord edward geoffrey stanley (später Earl of Derby) nicht, eine Mehrheit zu finden, worauf Lord Russell wieder mit der Regie- rung betraut wurde. 2 Das Wahlreformgesetz von 1832 hatte den Einfluss des Landadels zugunsten der städti- schen mittelschicht zurückgedrängt. der Antrag des Abgeordneten Peter locke king, des- sen Zulassung die regierung russell ablehnte, sah eine weitere stärkung der inkorporier- ten städte (boroughs) gegenüber den grafschaften vor.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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