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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher442 nichte gabrielle Palfy sind für diese letzten faschingstage hier, und wir es- sen fast täglich zusammen im café français. im theater gibt man ein sehr schönes Ballett: faust. die oper aber siecht dahin wegen zahlreicher un- päßlichkeiten, darunter auch meine luigia. der Zollcongress in Wien ist zu ende. Bruck hat in seiner schlußrede her- vorgehoben, daß nun jeder Zweifel an der möglichkeit eines österreichischen reichstages schwinden müsse. das hat, scheint es, guten eindruck gemacht. [venedig] 6. märz es sind die letzten tage in Aranjuez, am 10. Abends gehe ich fort, und wie das bey mir immer der fall ist, zähle ich jetzt schon tage und stunden. diese nervöse ungeduld und sucht nach veränderung, selbst wo diese eben keine verbesserung ist, ist eine meiner eigenthümlichkeiten. vorgestern ist dieser lange fasching endlich zu ende gegangen mittelst eines Balles bey Baronne Wetzlar, gestern Aschermittwoch sagte ich noch den hoyos etc. Adieu, welche nach vicenza zurückkehren. den gestrigen Abend brachte ich recht angenehm en petit comité bey nani esterhazy mit marmont und Pierre Arenberg, ihren beyden Anbethern, zu. dergleichen muß ich in Wien ganz entbehren, sowohl interessante frauen- als männer- gesellschaft, ja sogar einen ganz einfachen anspruchslosen kleinen salon, wo ich des Abends meinen thee trinken könnte, wie ich es hier bey Jane Pallavicini oder mathilde Berchtold thue, finde ich dort nicht, es ist dort ein ewiges hetzen und durcheinanderjagen ohne sinn und verstand, ein ewiges streben und Besserseynwollen, die größte mediocrität und Albernheit mit Prätensionen, ganz abgesehen von den vorurtheilen und leidenschaften, welche persönlich gegen mich vorhanden sind. die Banquiers- und Juden- gesellschaft aber, in die ich voriges Jahr zum erstenmahle ein wenig hinein- geschaut habe, ist um nichts besser, und es fehlt ihr noch dazu der Anstrich von bonne compagnie. die ministercrisis in england dauert noch immer fort, und trotz des vor- zeitigen Jubels in Wien wird, glaube ich, die bisherige Parthey am ruder bleiben, ja wahrscheinlich sogar lord Palmerston, dieser leibhaftige satan. in dresden vollendete confusion und Jammergeschrey. schwarzenberg und manteuffel werden am 12. wieder eintreffen und dort das große Werk vollenden. komisch ist es, wie diese ihre Waffen gewechselt haben, Preußen für die legitimität und den alten Bundestag streitet, und oesterreich ganz „unhistorisch“ die kleinstaaten opprimiren will. diese letzteren sind wieder ganz keck und guthen muthes. die cabinette, und wären diese noch so groß, imponiren ihnen nicht, nur im Jahre 1848, als sie die stimme des volkes hörten, zitterten sie, mancher kleine fürst, der jetzt wieder von gottes gna- den ist, hat mir damals ängstlich den hof gemacht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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