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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 444 -
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Tagebücher444 abstieg. gleich auf der Post traf ich meinen vetter max Andrian, der eben nach Wien abfuhr, um sich für seine bevorstehende heirath sein haus zu montiren.1 ich bin also nun seit dem 13. mittags hier und langweile mich tüchtig, ob- wohl es mich einerseits freut, soviele altbekannte Plätze und erinnerungen wiederzufinden und soviele menschen, die mit einer Art von ehrfurcht an mir hängen. man sagt nemo propheta in patria, das mag wahr seyn, wenn man in patria lebt, hier aber, wahrscheinlich weil ich nur so selten hieher komme, ist das gegentheil der fall. es ist aber ein eigenthümlich langwei- liges nest, immer Alles auf demselben flecke, keine spur von Bewegung oder fortschritt, vielmehr eine auffallend überhandnehmende verdummung und verwilderung voller klatscherey, kleinstädterey und kleinlichkeit, daß einem manchmal förmlich angst und bange wird. in linea politica nimmt leider das italienische element immer mehr überhand. viele schreiben dieß dem giornale di gorizia zu, welches aber jetzt wegen eines cautionsfehlers suspendirt ist und wohl nicht mehr erscheinen wird. Buffa macht mir die honneurs des Aufenthaltes, d.h. ich esse alle tage bey ihm, sitze Abends manchmal in seiner loge, um aus langer Weile eine schlechte italienische comödie anzuhören etc. er gefällt sich in seiner größe und hat manche gute eigenschaften, obwohl ein ausgepichter Bureaukrat und Polizeymann, der da glaubt, die Welt sey da, um regiert zu werden. es sind jetzt die Assisen2 hier, welche morgen zu ende gehen und, wie ich höre, den besten eindruck machen. mit meinen geschäften dürfte ich bald fertig seyn und hoffe, daß sie sich günstiger gestalten werden, als ich nach den in venedig erhaltenen Briefen vermuthete. Am 18. oder 19. glaube ich abreisen zu können, über triest. im Augenblick meiner Abreise von venedig schickte mir franceschinis wieder einen Artikel aus Wien im lombardoveneto über meine Berufung in staatsdienste. ich habe von venedig aus an Becher und Breuner, von hier aus an salm geschrieben, mein Zweck dabey war, einestheils zu verhüten, daß man jene wiederholten Artikel und gerüchte am ende gar mir selbst zuschreibe, anderseits auf eine gute Art zu verstehen zu geben, daß ich eine Berufung in den reichsrath wahrscheinlich nicht ablehnen würde, denn jene Artikel könnten auch als fühler auf mich gemünzt gewesen seyn. ich hatte auf der herreise eine Art katzenjammer von venedig, welches 1 frh. maximilian Andrian-Werburg, der Besitzer des guts san giorgio di nogaro im südli- chen Friaul, heiratete am 16.8.1851 Gräfin Franziska Strassoldo, eine Nichte der Brüder michael (statthalter in mailand) und Julius cäsar (general) strassoldo, die Andrian seit langer Zeit kannte. 2 geschworenengericht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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