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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 445 -
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44520. März 1851 ich ungerne verließ. hier beschäftigen mich andere dinge, vielleicht fängt derselbe wieder an, wenn ich in Wien seyn werde. neulich war ich des Abends bey fml culoz, dem commandanten des hier stationirten 7. Arméecorps, der eine wie mir scheint recht liebenswürdige tochter hat. triest 20. märz Abends Am 18. nachmittags 2 uhr verließ ich görz, nachdem ich dort alle meine ge- schäfte beendet hatte, und kam um 8 Abends hier an. Am selben Abende im theater sah ich Wimpffen, von dem ich hörte, daß der kaiser zwischen dem 20. und 25. (jetzt heißt es übermorgen früh) hier incognito eintreffen werde, angeblich um seinen Bruder max, der in die marine eintritt, zu begleiten, eigentlich aber um sich mit eigenen Augen über die Zustände der marine zu überzeugen, welche jetzt ebenso wenig vorwärts will als vor 1848. dahlrup scheint seiner stellung durchaus nicht gewachsen und dürfte wahrschein- lich (nach kaum 2 dienstjahren) pensionirt werden. übrigens ist Wimpffen, mit dem ich gestern eine lange conversation hatte, worin ich auch meine persönliche stellung zum kaiser zur sprache brachte, auf das tiefste gekränkt durch die wirklich schonungslose Weise, in welcher man so eben seinen Bruder gustav pensionirt hat. er sprach sich darüber sowie überhaupt über die ganze richtung, die der kaiser in persön- lichen, militärischen und politischen dingen nimmt, in einer Art aus, wel- che mich von neuem überzeugte, wie systematisch dieser junge mensch sich Aller gemüther, ohne Ausnahme, entfremdet. die Bombe füllt sich immer mehr, und am ende wird sie platzen. gestern, hier ein feyertag, besuchte ich ernst fünfkirchen im marine- collegium. heute hatte er seine Prüfung, und ich nahm ihn hierauf heraus, behielt ihn bey mir zum essen und führte ihn um 7 uhr Abends in einem Boote wieder nach hause, der Bursche gefällt mir außerordentlich gut, voller Behendigkeit, geist und charakter, aus dem kann was tüchtiges werden.1 ferdinand und Zdenka Palffy, die ebenfalls einen sohn im collegium ha- ben, sind hier und wohnen mit mir unter einem dache, er erzählte mir, daß in ungarn, von wo ich schon so lange nichts gehört habe, die dinge immer schlechter gehen, es ist ein förmlicher gerichtsstillstand, wozu jetzt noch der umstand kömmt, daß krauss die von schmerling adoptirte und bereits halb durchgeführte Justizorganisation wieder bedeutend verändern will, worin er freylich insofern sehr recht hat, als er gegen schmerlings kostspielige und den Bedarf bey weitem übersteigende organisation (auch in den übrigen ländern) wesentliche reductionen vornehmen will. 1 graf ernst fünfkirchen war ein cousin Andrians mütterlicherseits.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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