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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 447 -
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44731. März 1851 mal eine auffallende veränderung gegen sonst, d.i. ein weit freundlicheres, ja mitunter gesuchtes entgegenkommen gegen mich. nach allem diesem bin ich um so fester entschlossen, Wien nicht mehr zu meinem bleibenden Aufenthalt zu wählen, sondern, wenn ich keine verwen- dung erhalten sollte, zu reisen oder mich irgend wo anders zu etabliren und nur von Zeit zu Zeit hieher zu kommen, um meine verbindungen zu erhal- ten, das einzige, was ich hier vermissen würde, wäre gabrielle. in Beziehung auf den hauptzweck meines hierseyns habe ich vor einigen tagen mit Bruck gesprochen, welcher auf meine Absicht, wie ich ohnehin wußte, vollkommen einging, mir sagte, daß eben jetzt durch die erledigung des statthalterpostens in linz oder salzburg ein Platz für mich wäre, und mich aufforderte, mit schwarzenberg und Bach zu sprechen. ich ging dann vorgestern vormittag zu felix schwarzenberg und hatte eine sehr lange 1 1/2 stündige interessante unterredung mit ihm. ich sagte ihm, daß ich mich ihm für eine angemessene verwendung zur verfügung stelle, weil mir die unthätigkeit unerträglich sey und ich nebstdem wünschen müsse, mich in dieser, als der einzig möglichen, Weise von der ungnade des kaisers zu rehabilitiren. hierauf forderte er mir mit großer offenheit mein politi- sches glaubensbekenntniß ab, welches ich mit derselben offenheit ablegte, sagte mir, daß man mich beschuldige, gegen das ministerium zu agitiren, und zwar in verbindung mit meinen alten vormärzlichen landständischen freunden, wobey namentlich die steyerische landtagspetitionssache aufs tapet kam. hier hatte ich keine mühe ihm zu beweisen, daß ich mit dieser Angelegenheit in gar keiner verbindung stünde. dann auf meine stellung zum kaiser übergehend, sagte er, daß man mir nicht meine nachmärzliche, wohl aber meine frühere Wirksamkeit zur last lege, und wie er selber die überzeugung hege, daß unsere damaligen ständischen Agitationen die er- eignisse des Jahres 1848 herbeygeführt hätten. darüber entspann sich dann eine lange discussion, in welcher beynahe alle fragen der inneren und der auswärtigen Politik berührt wurden. ich verhielt mich dabey natürlich wie Jemand, der etwas erreichen, daher jede unnöthige meinungsverschieden- heit und streit vermeiden will, daher in den Punkten, in welchen wir über- einstimmten (und es waren dieses beynahe alle negativen sätze) mit großer offenheit und entschiedenheit, in den übrigen ausweichend und zurückhal- tend. im ganzen sah ich, daß er klar weiß, was er nicht will, nämlich unord- nung, französischen constitutionalismus und parlamentarische regierung, nicht aber was er will, und daß er von der inneren Administration nichts versteht, er sagte nur immer: der kaiser müsse so stark als möglich gemacht werden – aber wie? auf welche Art? scheint ihm unklar zu seyn. nach fast 1 1/2 stunden wurden wir durch kübeck unterbrochen, ich sagte, ich wolle in etwa 14 tagen wiederkommen, und er, er werde sich in
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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