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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 449 -
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44931. März 1851 und desorganisation immer ärger. die Behörden sind jämmerlich organi- sirt, der Wirkungskreis keiner einzigen gehörig fixirt, und keine in evidenz davon, was in ihrem sprengel geschieht, da eine jede sich mit umgehung ihres nächsten vorgesetzten an den höhern wenden kann und wendet. das Polizeywesen und die Plackerey ärger als je, hier in Wien spatzieren am hellen tage gensdarmeriepatrouillen durch die straßen! etc. die gemein- den gehorchen natürlich unter diesen verhältnissen niemand, comunal- und Bezirksstraßen und sonstige Anstalten verfallen, verlangen die Behör- den zu solchen Zwecken geld, so wird ihnen dieses verweigert und sie auf die organisirung der Bezirksausschüsse, der kreis- und landtage verwie- sen, an welche die regierung jedoch in ihrer unentschlossenheit nicht zu schreiten wagt. mittlerweilen nehmen die forstverheerungen entsetzlich überhand, das ländliche Proletariat vermehrt sich durch massenhafte An- käufe von Bauerngütern durch speculanten, dazu die geld- und valuta- verhältnisse und die in einem erschreckenden maaße zunehmende theue- rung, allenthalben also, sogar und zwar jetzt hauptsächlich auf dem lande zunehmende unzufriedenheit und gährung. Alles dieses habe ich in görz gesehen und durch Buffa bestätiget gefunden, in steyermark durch frank, hier durch stifft, anderwärts ebenso. in dresden scheint nun definitiv nichts zu stande zu kommen. man wird wohl auf den alten Bundestag kommen und Preußen sein altes spiel un- ter ungleich günstigeren umständen wieder fortsetzen, eine Brochure: die dresdner conferenzen, augenscheinlich von einem Bevollmächtigten eines kleinstaates ausgehend,1 macht enormes Aufsehen, zeigt manteuffels ent- setzliche Bornirtheit in hellem lichte und dürfte leicht zu einem politischen ereignisse werden, schon spricht man von manteuffels rücktritt. radowitz taucht wieder auf. der kaiser ist in venedig und hat dort den freyhafen proclamirt, daher großer Jubel und enthusiastischer empfang, nähere détails und etwaige re- vers de médaille werde ich noch erhalten. Alles das macht auf mich einen ganz kuriosen eindruck. Que je n’oserais avouer à un autre qu’a moi-même. übrigens regrettire ich venedig und darin hauptsächlich meine luigia [mor- selli], die sich mir beynahe unentbehrlich gemacht hat. stifft ist ein unermüdlicher gemeinderath geworden und sieht im übri- gen schwärzer als je, er war gestern lange bey mir. rechberg lebt seit ein paar monathen hier ziemlich zurückgezogen und, wie ich aus einigen Wor- ten gegen mich schließe, höchst aigrirt gegen schwarzenberg und seine deut- 1 die dresdener conferenzen. mit urkunden (Berlin 1851). die anonyme Broschüre stammte vom schleswig-holsteinischen Politiker und Publizisten karl samwer, mitarbeiter war der ehemalige Abgeordnete in frankfurt max duncker, historiker an der universität halle.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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