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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 451 -
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45111. April 1851 entschiedenen charakters, der ein unerschütterliches selbstvertrauen hat und sich durch niemanden und nichts imponiren läßt. Bach dagegen macht den langweiligen eindruck eines politisirenden Advocaten und caf- fehhausschwätzers, dem man es immer ankennt, daß er einen betrügen will. kleyle, der vorgestern bey mir war, zeigte mir die stellung der minister ganz anders, als Bach mir gerne hätte glauben machen wollen. der kaiser hat kein vertrauen mehr zu ihnen und erledigt ihre vorträge nicht mehr oder weist sie zurück, einer traut dem andern nicht mehr, und daher kom- men sie in großen dingen zu keinem entschlusse. kübeck, dessen einfluß sehr groß wird, hat nicht die Absicht, selbst minister zu werden, sondern nur als ein unverantwortlicher rathgeber diese zu paralysiren. kleyle meint, die minister werden immer mehr zu vormärzlichen Präsidenten von hofstellen herabsinken, und der frühere staatsrath im reichsrathe wieder aufleben, und damit werde wieder wie damals alles verschoben, verzögert, jede Princi- pienfrage beseitiget werden, bis eine abermalige explosion eintreten werde. Wer jetzt nur auf die möglichkeit einer solchen hinweise, werde als revolu- tionär verschrieen. [Wien] 11. April regen, kalt, schmutz und koth auf den straßen, daher meine mir so nöthi- gen fußpromenaden fast unmöglich gemacht, dazu eine grenzenlose lan- geweile, das ist mein leben, seit ich in Wien bin. neulich war ich bey ei- ner soirée bey Bernstorff, sonst sitze ich in irgend einem theater, welche alle schlecht sind, am schlechtesten die italienische oper, gehe oft ins ca- sino, wo die unterhaltung ebenfalls nicht groß ist. vormittags sitze ich zu hause bis 2 oder 3 uhr, ohne jedoch dazu zu gelangen, etwas vernünftiges zu lesen, wie mir dieses denn doch in venedig möglich war. es kömmt bald dieser, bald jener Besuch, eine menge kleiner Beschäftigungen etc. nimmt meine Zeit in Anspruch, und vor Allem fehlt die ruhe und die lust. kurz, ich warte, das ist meine ganze Beschäftigung, und zähle die tage, bis ich wieder fortkomme. nächste Woche will ich wieder zu schwarzenberg und Bach ge- hen und mir meine Antwort abholen. Zum statthalter in linz war Weiss, der hiesige stadthauptmann und haarabschneider, désignirt, eine ganz misérable Polizeyseele, folglich nach dem geschmacke Bachs, der sich aber wohl hütete, es mir offen zu sagen, als ich mich um jenen Posten meldete, er wollte wieder wie gewöhnlich filou- tiren. Jetzt aber ist durch den Prozeß wider mad. gentiluomo, in welchem Weiss sich höchst tadelnswerth benahm, seine Beförderung vor der hand unmöglich geworden. durch ein paar tage sprach man von nichts Anderm als von diesem Prozesse, unter dem früheren gerichtlichen verfahren wäre
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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