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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 456 -
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Tagebücher456 darin bestehen, daß der staat ein für allemahle der herausgabe von Papier- geld ein ende machte. Auch der neue Zolltariff ist unter diesen umständen und bey der äußerst heftigen und compacten opposition der industriellen vertagt, eine harte schlappe für Bruck. neulich war bey mir Prof. forchhammer, Abgesandter der ehemaligen schleswigholsteinschen regentschaft. er schilderte mir die traurigen Zu- stände dort, die stimmung des landes, die übergriffe der dänen, die mi- sérabilität der preußischen Politik, die profunde ignoranz und die leiden- schaftlichkeit schwarzenbergs. nach einer 1 1/2 stündigen conversation bath er mich beym Abschiede ein Andenken anzunehmen, eine karte des alten troja, die er in seinen mußestunden verfertiget hatte!! das war so echt deutsch, so echt Professor, so echt 1848, daß ich nicht wußte, sollte ich la- chen oder gerührt seyn. gräfinn Bergen antwortete mir neulich, sie ist tief gebeugt durch den verlust ihres Bruders, welcher innig zusammenhängt mit dem ruin ihres landes, an dem sie einen tieferen Antheil zu nehmen scheint, als ich ihr zugetraut hätte. Wir haben jetzt schon völligen sommer, die Bäume sind so grün wie sonst Anfangs Juny, der Prater sehr belebt, überhaupt sehr viele fremde hier, ich wollte ich könnte bald hinaus. der kaiser war unwohl. erzherzogin sophie ist am 19. nach triest, um ihren gefährlich erkrankten sohn zu pflegen.1 [Wien] 2. may montag (28.) Abends war ich bey Bach, um mir eine définitive Antwort zu holen, ein Besuch, den ich mir eigentlich hätte ersparen können, solange ich von schwarzenberg keine Antwort hatte, ob mich der kaiser empfan- gen wolle oder nicht. das hatte ich vergessen. Bach gab mir daher auch, wie vorauszusehen war, zur Antwort, daß vor Allem Andern mein verhältniß zum hofe ins klare gebracht seyn müsse, er wisse wohl, daß schwarzenberg mit dem kaiser zu sprechen vorhabe, nicht aber, was seine majestät geant- wortet hätten. ich blieb daher nur ziemlich kurz bey Bach, obwohl dieser mich zurückhalten wollte, und sagte ihm beym Weggehen, daß ich sehr wohl einsähe, daß falls der kaiser darauf bestehen sollte, mich nicht zu empfan- gen, auch von einer mir zu gebenden verwendung keine weitere rede seyn könne, und ich daher in diesem falle auch zu ihm (Bach) nicht weiter kom- men würde. im Allgemeinen schien er mir viel kleinmüthiger als sonst und begierig mich auszuhorchen, doch war ich sehr boutonnirt und sprach nur im Allgemeinen von den steigenden schwierigkeiten der ministeriellen stel- lung, der wachsenden Bedeutung des reichsrathes etc. ich war sonach fest 1 Erzherzog Ferdinand Max, der jüngere Bruder des Kaisers, war Marineoffizier.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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