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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 457 -
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4572. Mai 1851 überzeugt, daß der kaiser auf meinen ihm durch schwarzenberg vorgetrage- nen Wunsch, mich ihm vorstellen zu dürfen (wahrscheinlich auf schwarzen- bergs eigenes Anrathen), verneinend geantwortet habe, und daß Bach nur das odium, mir dieses zu eröffnen, schwarzenberg überlassen wolle, daher ging ich tags darauf zu diesem, um mein urtheil zu erfahren und in gehöri- ger Weise darauf zu antworten. Zu meinem großen erstaunen aber kündigte mir schwarzenberg ganz kurz und mit einer unwichtig scheinen sollenden miene an, seine majestät würden mich empfangen, und ich sollte mich deß- halb bey grünne melden. ich ging dann tages darauf zu diesem, der aber gestern und vorgestern (der hoffeste etc. halber) durchaus nicht zu finden war, endlich fand ich ihn heute auf den corridors der Burg, er war sehr fidel und schien von Allem unterrichtet, was mir eine günstige vorbedeutung zu seyn scheint, schickte mich ins cabinett, wo ich mich aufschrieb und nun nächster tage vorzukommen hoffe. so wäre dann der hauptsächlichste stein des Anstoßes beseitiget, und ich nach mehr als 2 Jahren endlich wieder rehabilitirt. die Art, wie es gesche- hen, ist freylich keine genügende satisfaction für das unrecht, das mir in olmütz widerfahren, aber vor der hand konnte ich nicht mehr erwarten, und da ich jetzt leider genöthiget bin, eine Anstellung zu suchen, so mußte vor Allem dieses haupthinderniß aus dem Wege geräumt werden. ich glaube annehmen zu dürfen, daß dieser entschluß des kaisers nicht durch schwar- zenberg, sondern eher gegen seinen Willen gefaßt worden ist, und reime mir dieses mit den neuerlichen ernennungen der reichsräthe und mit manchen anderen symptomen eines beginnenden Wechsels in seinen Ansichten zu- sammen. ist dieses der fall, so ist mir die sache doppelt werthvoll. der könig von griechenland ist hier und seit heute auch der großherzog von hessen sammt gemahlinn.1 daher bey hofe Alles in Bewegung. gestern war große Parade auf dem glacis, der ich vom Paradiesgarten aus zusah. nachmittags die große Praterfahrt, welche außerordentlich zahlreich war, doch wenig ganz schöne equipagen. Alles ist mit fremden überfüllt, von ve- nedig sind ricci und tia venier hier. Auch Alexander erdödy ist aus ita- lien zurückgekommen, doch habe ich ihn noch nicht gesehen. fritz deym ist ebenfalls hier und war neulich bey mir. ich besuchte neulich hartig, er schien sehr erfreut mich zu sehen, wir sprachen lange über die jetzigen Zustände im inneren, und er ließ seiner galle freyen lauf. von seiner neuesten Brochure wollte ich ihm nicht spre- chen, weil wir nicht allein waren, und ich nicht wußte, wieweit er sein inco- 1 die geschwister könig otto v. griechenland und mathilde, gattin von großherzog ludwig iii. v. hessen, waren als kinder von könig ludwig i. von Bayern neffe bzw. nichte von erzherzogin sophie, der mutter kaiser franz Josephs.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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