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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 458 -
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Tagebücher458 gnito bewahren will. Bernstoff ist heute fort und Arnim angekommen, erste- rer nimmt die ungnade des kaisers mit, weil er als Preuße seine schuldigkeit gethan.1 der Bundestag soll am 12. zusammentreten, was aus der deutschen confusion werden soll, das weiß gott. ich glaube, daß es dieses Jahr noch so fortbrodeln und gähren wird, bis das nächste frühjahr entscheidendes bringt. frankreich und italien praepariren sich langsam aber gründlich, vor der hand blickt Alles auf die Weltausstellung in london, welche für europa ungefähr dieselbe rolle spielen dürfte wie der congresso dei scienziati 1847 zu venedig für italien. in frankreich waren vor 14 tagen zu dieser Ausstel- lung schon über 240.000 Pässe ausgestellt worden!! stifft berechnet, daß durch diese reisen der österreichischen monarchie mindestens 10 millionen fl verloren gehen werden, in dem jetzigen Augenblicke doppelt fühlbar. [Wien] 8. may Am 5. vormittags hatte ich meine Audienz beym kaiser, es war Audienztag und sehr viele leute da, daher an eine längere conversation, wie ich sie wohl gewünscht hätte, nicht zu denken, um so weniger als carl schwarzenberg, welcher da war, um sich vor seiner Abreise auf seinen statthalterposten in siebenbürgen zu beurlauben, mir beym herauskommen sagte, der kaiser habe ihm gesagt, er werde ihn noch einmahl kommen lassen, um länger mit ihm zu sprechen, da er heute die leute im vorzimmer nicht solange warten lassen wolle. ich wurde sehr bald vorgelassen, und der kaiser kam mit einer sehr freundlichen miene auf mich zu, ich sagte: ich müsse ihm dafür danken, daß er mir gelegenheit gegeben, mich ihm vorzustellen, ich hoffte, daß damit jeder schatten von mißtrauen gegen mich aus seinem herzen entschwun- den sey, übrigens könne ich nicht glauben, daß er jemals wirklich an meiner loyalität gezweifelt haben könne, ich sey cavalier, oesterreicher und nebst- dem persönlich und durch meine familie zu nahe an sein haus gekettet, als daß man gegen meine monarchische gesinnung verdacht schöpfen könne, übrigens habe ich diese durch meine haltung im Jahre 48 vor ganz europa bewiesen. man habe mir vor jenem verhängnißvollen Jahre manches in die schuhe geschoben, ganz ohne grund, übrigens sey ich immer loyal und offen aufgetreten und habe mich nie mit intriguen etc. befaßt. übrigens stelle ich mich hiermit seiner majestät zur disposition und wünsche, daß seine ma- jestät gelegenheit finden möchten, mich in einer so wichtigen Zeitperiode in angemessener Weise zu beschäftigen. der kaiser antwortete hierauf in einigen, durchaus freundlichen, Phrasen und sagte, er hoffe, meinen Wunsch 1 Als nachfolger des auf druck der österreichischen regierung abberufenen graf Albrecht Bernstorff wurde graf heinrich friedrich v. Arnim preußischer gesandter in Wien. er hatte den Posten als vorgänger Bernstorffs bereits von 1845 bis zur revolution 1848 inne.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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