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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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46117. Mai 1851 die fuchtel zeigen. Jetzt aber arbeitet man ihnen in die hände, indem man den Bogen zu straff spannt. neulich besuchte ich kulmer, der die sonderbare rolle eines ungarischen (oder kroatischen, was jetzt schon synonym ist) Altconservativen im ministe- rium spielt, übrigens sehr viel einfluß beym kaiser haben soll. kein großes kirchenlicht, und ein deutschenfresser, übrigens in allen fragen innerer verwaltung ein vernünftiger practischer mann, er schimpft ganz maßlos über Alles, was seine collegen thun, über schwarzenbergs deutsche Poli- tik, über Bachs stümperhafte organisationen und ernennungen, dazu aber auch noch über alle sogenannten errungenschaften: Jury, gemeindegesetze etc. in dieser letzteren Beziehung soll der allzeit fertige Bach bedeutende Beschränkungen in petto haben, das dürfte aber leichter gesagt als gethan seyn. man erwartet mit spannung die Anträge der finanzcommission im reichsrathe, über deren Berathungen nichts verlautet. das silber fiel in er- wartung großer maßregeln neulich bis 25 %, jetzt steigt es wieder allmälig. Was mich betrifft, so langweile ich mich hier aus allen kräften, immer die alte geschichte: nichts zu thun, keine lust noch stimmung mich selbst mit etwas (lecture, Arbeit etc.) zu beschäftigen, und keine sonstige Zerstreuung. übrigens hat mein empfang beym kaiser lärm gemacht, das ist mir ganz recht. ich will nun noch einige Zeit hier bleiben um abzuwarten, geschieht nichts mit mir, so reise ich wieder auf einige monathe – wohin? nescio. ich möchte gerne eine größere reise unternehmen, um mich zu zerstreuen, an- dererseits will mich mein Arzt in ein seebad schicken, was mir aber langwei- lig und, wäre es ein deutsches seebad, doppelt unangenehm wäre. im herb- ste käme ich dann wieder auf einige Zeit zurück, es bleibt mir nichts anderes übrig, als diese fatale rolle fortzuspielen, zu laviren, mich nicht vergessen zu lassen, mich nach keiner seite hin im voraus zu compromittiren, bis mir ein bedeutender Posten zufällt, welcher allein mir jetzt eine politische Wirksam- keit eröffnen und auch für jede mögliche Zukunft sichern kann. Partheyen existiren nicht, nur die ungarn ausgenommen, welche allesammt eine Par- they bilden. einer mißtraut dem Anderen, mir mißtrauen gerade diejenigen, mit denen ich noch am ehesten gehen könnte, und der politische horizont ist nicht von der Art, daß man auf lange hinaus etwas berechnen könnte. hat man aber gewalt in händen, so kann man sich derselben unter allen um- ständen bedienen, deßwegen wünsche ich eine stellung. nächste Woche begibt sich der kaiser nach olmütz, wohin kaiser nico- laus kommen wird. es wird dort ein lager von 30.000 mann concentrirt, und die Productionen sollen 8 tage währen, der kaiser hat sich fm radetzky und den Banus bestellt und wird also möglichst glänzend umgeben erschei- nen. Auch Wimpffen ward plötzlich hieher zitirt – weßhalb? nescio. ob in ol- mütz auch politica verhandelt werden sollen, weiß ich nicht, jedenfalls wird
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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