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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 462 -
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Tagebücher462 kaiser nicolaus nach der stellung, die er jetzt einnimmt, dem kaiser seine Ansichten über den Weg, den wir gehen, wohl nicht verhehlen, und diese sind dem ministerium schwarzenberg-Bach bekanntlich nichts weniger als günstig. meyendorf soll, seit er hier ist, eine sehr zurückhaltende stellung einnehmen, was ich um so mehr glaube, als bekanntlich seinem vorgänger medem sein unbegreiflicher enthusiasmus für das system des ministeriums seine stelle gekostet hat. die ungarn drängen sich stark um meyendorf, ich habe, da ich überhaupt jetzt nicht in die Welt gehe, es absichtlich unterlas- sen, mich ihm vorstellen zu lassen, so interessant es mir auch gewesen wäre. Wenn übrigens kaiser nicolaus gegen das gegenwärtige system spricht, so handelt er, wie er dieses überhaupt oft thut, in ritterlicher freundschaft und gegen sein eigentliches interesse, dieses verlangt, daß wir möglichst schwach und abhängig bleiben. [Wien] 22. may Wir hatten durch 2 tage fortwährenden strömenden regen, in folge dessen überschwemmungen der vorstädte, des glacis etc., alle Brücken über die Wien und den Alserbach abgerissen etc., überhaupt vergeht fast kein tag ohne wiederholte Platzregen, es ist sehr kalt und noch kaum ein schöner tag in diesem monathe gewesen. meine nerven leiden bey diesem Wet- ter sehr und in folge dessen mein kopf und mein humor, ich fühle mich manchmal so niedergedrückt und trübe, daß ich es kaum erwarten kann, luft und umgebung zu wechseln, meine kopfnerven sind gereizt und ver- wirrt, meine gedanken unklar und unzusammenhängend, hämorrhoiden, nerven, hypochondrie, gott weiß was Alles, momentan fürchte ich dann zuweilen sogar närrisch zu werden, sándor ist es so eben so gegangen, dann verschwindet Alles dieses plötzlich wie mit einem Zauberschlage, meistens wenn die sonne hervortritt, etc. mir fehlt immer und ewig das eine: Be- schäftigung. in solchen Zeiten weiche ich dann immer fremden menschen, namentlich aber solchen, die mit mir ernste gespräche führen oder wohl gar mich aus neugierde kennen lernen wollen, aus, wie dieses oft genug geschieht. großherzog und großherzoginn von hessen sind hier, der kaiser geht morgen nach olmütz, einige tage später kömmt kaiser nicolaus. der kö- nig von Preußen hat sich entschuldiget, unser kaiser hat sich eine brillante suite von generälen hin beordert. gestern war ich bey erzherzogin sophie, welche mir Anfangs etwas ver- legen und in Ängsten schien, ich würde odiosa aufs tapet bringen. da ich mich aber nicht unangenehm machen wollte, hielt ich mich bey ganz gleich- gültigen dingen, erzählte von venedig, sprach von gesellschaftlichen dingen etc., wofür sie mir dankbar zu seyn schien. Bey erzherzog franzcarl habe
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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