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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 464 -
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Tagebücher464 nehmungen und Pläne durch das wachsende Bleygewicht des reichsrathes und dgl., es mag wohl Alles zusammengewirkt haben, er selbst ist sehr ergriffen und gebeugt, was ich bey einem manne, der mit solcher Wärme an seinen Plänen hängt, wohl begreife. die sensation ist sehr groß und allgemein die Achtung und Anerkennung, die seiner genialität und en- ergie, das Bedauern, das seinem Austritte gezollt wird. ohne Zweifel ist die größte capacität, wo nicht die einzige, und der politisch ehrlichste und festeste charakter aus dem cabinette geschieden. freylich fehlt es wie im- mer nicht an solchen, die jetzt von Brucks gewinnsucht und eigennützigen speculationen reden, doch ist im Allgemeinen und ebenso in der Presse nur eine stimme des Bedauerns. ich wollte ihn tags darauf besuchen, fand ihn aber nicht und will nun die- ser tage hingehen, ich verliere in ihm den letzten persönlichen freund im ministerium, daher sehr viel, wenn diesem überhaupt noch eine lange dauer zu prophezeyen wäre, doch mehren sich die Anzeichen des gegentheils. Bach, der nach jedem strohhalme greift und nun sogar wie ein Bedienter vor fürst Windischgrätz schwanzwedelt, hatte intriguirt, um nach olmütz zur entrevue der beyden kaiser mitgenommen zu werden, und hatte sich sogar zum ergötzen des Publikums zu diesem Behufe den schnurbart (welchen kaiser nicolaus bey civilisten nicht leiden kann) abrasirt, nun soll aber die- ser durch meyendorf insinuirt haben, er wünsche nicht, Bach zu begegnen, und somit unterbleibt dessen hinreise, unter den jetzigen umständen ist dieß ein bedeutendes ereigniß. Andererseits wird die nothwendigkeit, aus der jetzigen stagnation im verfassungsleben endlich einmahl herauszukom- men, denn doch endlich von immer mehreren leuten eingesehen, nament- lich operiren in dieser richtung kübeck, kulmer, Windischgrätz, natürlich dieser letztere mehr als fahne. gelingen diese schritte, so fällt natürlich das ganze ministerium, schwarzenberg voran. Alle Blicke sind jetzt auf olmütz gerichtet, am 28. kömmt kaiser nico- laus dort an. der könig von Preußen soll nicht kommen, und jene Zusam- menkunft dürfte kaum über 1 1/2 oder 2 tage währen, da der kaiser von rußland am 31. in Berlin zur enthüllung der statue friedrichs des großen anwesend seyn soll. manœuvres, Paraden etc. werden alle Zeit ausfüllen, auch glaube ich kaum, daß geschäfte verhandelt werden, außer persönliche Besprechungen zwischen den 2 monarchen, und da wird kaiser nicolaus für unser jetziges system und unsere jetzigen staatsmänner gewiß nicht gün- stig sich vernehmen lassen und noch weniger durch die oesterreicher, die er dort sehen wird (Windischgrätz, clam, feri Zichy etc.), günstig für die- selben gestimmt werden. von ministern geht bloß felix schwarzenberg mit, von sonstigen diplomaten etc., soviel ich weiß, niemand. man spricht vom rücktritte leo thun’s und thinnfelds, von der Auflösung des Ackerbaumini-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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