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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 466 -
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Tagebücher466 Allem Andern gelegen ist, so wäre es sehr möglich, daß er gegen unseren langnasigten Premier sturm liefe. [Wien] 7. Juny ich war durch ungefähr 8 tage ziemlich bedeutend unwohl, ein außerordent- lich heftiger schnupfen mit fieber und Alteration und dazu eine starke ge- schwulst der halsdrüsen, ein sogenannter tölpel, wie dieß eben jetzt hier sehr häufig ist. von Allem dem und den Purgiormitteln, welche schönbeck mir eingab, war ich sehr geschwächt, mein kopf eingenommen, und ich daher viel zuhause. Jetzt bin ich wieder hergestellt bis auf die drüsenge- schwulst, welche nur langsam abnimmt. seit 5–6 tagen ist es nun voller sommer geworden, nachdem der ganze may beyspiellos kalt und naß gewesen, heute war es drückend heiß. Alles ist fort oder geht fort, auch ich kann den Augenblick dazu nicht erwarten. Wohin? weiß ich nicht, ist mir auch ganz gleichgültig, auf lange und weit kann ich mich nicht entfernen, weil denn doch große politische Änderungen im Anzuge sind. ich will nun dieser tage ernstlich mit schönbeck und ivan- chich wegen meines alten leidens consultiren, und davon wird es zum teile abhängen, was ich thue. in ein seebad zu gehen, wie man mir rieth, habe ich keine lust, am Allerwenigsten in ein deutsches. ich habe, während ich so gezwungen zuhause saß, eine Art von mémoire geschrieben über den gegenwärtigen stand der inneren Angelegenheiten und die Art und Weise, wie nach meiner Ansicht aus unseren verfassungs- und verwaltungswirren herauszukommen wäre. Bach habe ich darin durch- aus nicht geschont, dagegen die auswärtige Politik fast gar nicht berührt, um nicht unnöthig anzustoßen, und ebensowenig die finanzfrage, welche mir fremd ist. Jetzt lasse ich dieses mémoire, das dann doch ziemlich lang geworden ist, abschreiben, ohne noch recht zu wissen, was ich damit thue, und wem ich es mittheilen werde. Jedenfalls hartig, vielleicht kulmer und, wenn ich Wege finde, welche nicht nach Wohldienerey und götzendienst der aufgehenden sonne riechen, auch Windischgrätz und kübeck, damit es wo möglich in die hände seiner majestät gelange.1 vor der hand habe ich kei- nen anderen Zweck damit als den: dixi et salvavi animam, und daß man meine Ansichten und Anschauungen kenne. dann kann ich mich ganz ruhig auf einige monate absentiren, denn bey uns gehen die dinge nicht so schnell. Bach und sein abgeschnittener schnurbart sind noch immer die fabel der stadt, er hat sich gründlich lächerlich gemacht, das Ärgste was ihm passiren 1 die denkschrift wurde nach Andrians tod veröffentlicht: denkschrift über die verfas- sungs- und verwaltungsfrage in österreich. von v. freiherrn von Andrian im Jahre 1851 verfasst und seinem nachlasse entnommen (leipzig 1859).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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