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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 468 -
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Tagebücher468 tage Aussicht auf regen, nachdem wir ihn kaum erst los geworden.1 hunde- clima, wirklich ist es seitdem immer trüb und regnerisch. Auch mathilde Berchtold sah ich diese tage auf ihrer durchreise und bey ihr charlotte Zichy seit langer Zeit wieder, eine sehr amusante frau. gabrielle ist in Baden, recte Weilburg, für mich ist dieß ein großer Ab- gang, überhaupt ist oder geht Alles fort nach allen 4 Winden. Was mich betrifft, so warte ich auf den Ausspruch der Ärzte, zu thun habe ich hier nichts, meinen Aufsatz will ich dieser tage hartig mittheilen, sub sigillo, es ist mir darum zu thun, daß er, dessen stern wie es scheint im Aufgehen ist, meine Ansichten kennen lerne, was, wie ich glaube, nur bey Wenigen der fall ist und mir mit rücksicht auf das große Publicum ganz recht ist, für die- ses temporisire und schweige ich mit Bedacht, il ne faut jamais se prononcer sans nécessité, aber gegen einzelne männer muß man zuweilen eine Aus- nahme machen, und deßwegen habe ich den Weg eines solchen confidentiel- len mémoires gewählt und werde vielleicht auch den lloyd zu Artikeln, ohne mich zu nennen, benützen. ob ich jenen Aufsatz noch Anderen mittheile? nescio, jedenfalls mit großer vorsicht. Bach braucht nicht mehr geschont zu werden, obwohl ihn der kaiser vorläufig noch halten zu wollen scheint, wohl aber schwarzenberg, der in den lumpen Bach vernarrt ist und jeden Angriff auf diesen mit seiner gewohnten leidenschaft aufnimmt und wenigstens für den moment noch immer feststeht. Windischgrätz ist von Warschau zurück, wohin ihn kaiser nicolaus mit- genommen hatte. [Wien] 19. Juny Abends ich habe mein mémoire durch general rousseau dem fürsten Windisch- grätz übergeben lassen. rousseau meinte zwar, ich sollte es selber thun, da es ihn gewiß freuen würde mich zu sehen, doch antwortete ich ihm, daß ich Alles vermeiden wolle, was einem auffallenden schritte ähnlich sehen könnte, wenn mich aber der fürst (der übrigens in einigen tagen fortgeht) über jenen Aufsatz sprechen wollte, so möchte er es mich wissen lassen. hartig war an demselben tage, da ich zu ihm gehen wollte, nach ischel ab- gereist, ich werde ihm daher die schrift dahin schicken. Auch carl Jablo- nowsky ließ ich sie lesen, er war davon ganz entzückt, meinte, ich solle sie drucken lassen, was ich aber wohlweislich unterlassen werde, und both sich an, sie kübeck zu übergeben. dieses letztere ist mir ein gefundener han- del, da kübeck ohne Zweifel jetzt der mann des tages ist, ich hatte Anfangs scrupel, da ich kübeck für zu sehr Bureaukraten hielt, als daß er meinen 1 nach den bäuerlichen Wetterregeln soll regen an st. medardus (8. Juni) vierzig weitere tage schlechtwetter bedeuten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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