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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 469 -
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46919. Juni 1851 Aufsatz, welcher sich gegen die Beamtenherrschaft sehr categorisch aus- spricht, goutiren sollte, doch Jablonowsky, welcher mit ihm verkehrt, be- lehrte mich eines Besseren. so wäre denn die sache auf den rechten Weg geleitet und in die hände der drey männer gebracht, welche die geeignetesten dafür sind, ich zweifle, ob jetzt schon der Augenblick da sey, sie dem kaiser vorzulegen, und ob die- ser überhaupt der mann sey, darüber ein urtheil und eine feste Ansicht zu fassen, jedenfalls würde jenes am besten durch kübeck oder Windischgrätz geschehen. geschieht auch vor der hand in der sache weiter nichts, so habe ich mich doch gegenüber denjenigen ausgesprochen, welche gegenwärtig die Bedeutendsten sind, und eine verständigung mit ihnen angebahnt, und kann nun reisen, um so mehr, als der sommer ohnehin Alle nach den ver- schiedensten seiten hin auseinanderführt, daher für jetzt kaum entschei- dendes zu erwarten ist. der kaiser geht nächstens nach galizien, dann auf längere Zeit nach ischl und im september nach italien. Warrens war neulich bey mir, und ich brachte ihn auf unsere Zustände, resp. die verfassungsfrage, und sah, daß wir denn doch in manchen wesent- lichen stücken verschiedener Ansicht sind, daß daher der lloyd für mich kaum zu benützen wäre, ist auch nicht nöthig, es ist mir aus mancherley gründen viel angenehmer, mich vis-à-vis einiger Weniger Auserwählten als des großen Publicums auszusprechen. ich reise am 23. oder 24. und zwar geradezu nach Paris, wo ich einige monathe dem flaniren und den Pariser vergnügungen leben will, das wird mich zerstreuen und aufheitern (nach einem 3-monatlichen Wiener Auf- enthalte bedarf man dessen), und zugleich wird mich die Beobachtung der dortigen crisis interessiren. hier sage ich, daß ich die seebäder in ostende gebrauchen will und von dort aus die londoner Ausstellung und Paris besu- chen wolle, um allen unnützen fragen und gerede vorzubeugen, zugleich aber will ich entweder selbst zu schwarzenberg gehen oder ihn durch rech- berg praeveniren lassen und ihn fragen, ob er mir Aufträge zu geben habe? damit habe ich mich dann ganz en règle gesetzt und den klatschereyen im voraus entgegengewirkt. man glaubt es übrigens nicht, was es, seit wir con- stitutionelle staatsbürger geworden sind, für früher unbekannte Placke- reyen kostet, um einen Paß ins Ausland zu erhalten. rechberg ist internuntius geworden,1 ich war neulich sehr lange bey ihm, wir sind, obwohl ich mich selbst darüber wundere, recht gute freunde, und ich halte viel auf ihn, das merkwürdigste aber ist, daß er mit den hauts faits 1 graf Johann Bernhard von rechberg-rothenlöwen war zwar zum internuntius (so der titel des österreichischen diplomatischen vertreters in konstantinopel) ernannt worden, trat diesen Posten jedoch nicht an.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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