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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 475 -
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47521. Juli 1851 weissagen, daß die revision nicht durchgehen wird, scheint gewiß, daß eine abermalige Wahl louis napoleons durch das volk via facti bey der ent- schiedenen haltung, die die nationalversammlung annehmen zu wollen scheint, nicht durchzusetzen seyn wird, halte ich für sehr wahrscheinlich, wer kann übrigens in frankreich irgend etwas vorhersagen? [Paris] 21. July diese tage habe ich ganz in der gewöhnlichen Pariser Weise verbracht: mit Actricen, femmes entretenues etc., und dabey bedeutend viel geld ausgege- ben. diners, theaters etc. kosten enorm theuer, du reste je ne m’en plains pas, denn es ist wenigstens für eine kurze Zeit amusant und gehört zur cou- leur locale, freylich bin ich wieder in den alten und mir bereits bekannten genre der coulissen und der eleganten Weiber hineingerathen, während meine Absicht dahin ging, mir eine hübsche grisette zu nehmen, wozu aber viel Zeit und geduld gehört. übrigens wird man auch dieses leben bald satt, und ich bin es schon halb und halb, diese eleganten femmes entretenues theilen sich so ziemlich in 2 klassen: die einen affektiren die englischen ladys [sic] nachzuahmen, sind steif, kalt, vornehmthuend, daher langweilig, die anderen verfallen in das andre extrem, unterhalten einen Augenblick durch ihre Zoten und guten einfälle, ermüden einen aber bald. Alle aber haben das gemein, daß sie im carottiren meisterinnen sind. Am besten von allen Weibern, die ich kennen gelernt habe, gefiel mir Blanche de Rigny und nach ihr Mlle Va- lentin vom vaudeville, die erstere gehört zu der 1. jener beyden classen, die 2. ist ein ziemlich unangenehmes mittelding zwischen beyden, aber sehr sinnlich schön. die einzige aber, welche ganz meinen Anforderungen entsprach, der typus einer niedlichen graziösen Pariserinn, eine dlle Jo- sephine cottreau destrichers, welche ich gerne nach Wien mitgenommenn hätte (wenn ich überhaupt an dergleichen denken könnte), war bereits ver- geben und kann daher nur kurze Besuche annehmen, ce qui ne fait pas mon affaire. das facit von allem dem ist, daß ich viel mehr geld ausgegeben habe, als meine Absicht war, und daher meinen Aufenthalt in Paris abkürzen werde. ohnehin taugt dieses leben auf lange Zeit nicht. diese Bälle mobi- les, Château de fleurs, Asnières etc. sind ein ewiges Einerley, immer diesel- ben gesichter. diese ganze Welt von femmes entretenues ist ziemlich klein, in einigen Wochen kennt man sie und ist gekannt. daher kömmt es auch, daß diese Weiber, besonders die eleganteren unter ihnen, weit mehr gênirt sind, als man denken sollte, es wäre denn, daß man sich mit ihnen förmlich und auf lange Zeit verheirathen wollte, was bey mir natürlich nicht der fall seyn kann.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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