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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 483 -
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48317. August 1851 grands, das Anlehen wird immer und immer verschoben,1 das silber steht wieder auf 20, der arme Piret ist plötzlich gestorben, was mir gabrielles stillschweigen erklärt. lucern 17. August (sonntag) sonntag den 10. regnete es noch immerfort wie aus scheffeln, es war der 4. Tag, und Allen fing die Geduld zu reißen an. Mit meinen Haus-, Tisch- und leidensgenossen hatte ich keine lust, Bekanntschaft zu machen, es war ein haufe vulgairer und größtentheils auch häßlicher engländerinnen und Americanerinnen und eine Menge Bremer Kaufleute mit Familien, auch nichts Anziehendes. Abends kam ein haufe saporta’s aus Bayern und der Provence, wobey die damen recht anständig schienen, ich sprach aber nur mit den männern, toujours gardant mon incognito, ohne Affektation jedoch, auch kam ein russischer Offizier aus Kiew, ein sehr anständiger Mensch, wie es überhaupt die russen fast Alle sind, er und der marquis de saporta, ein ältlicher gentilhomme campagnard und legitimist aus Aix, waren in den nächsten tagen mein hauptumgang. Am 11. heiterte es sich am morgen auf, und es ward ein herrlicher tag. Allgemeine Auswanderung, Alles ging in die Berge. ich aber blieb, weil ich die schöne herrliche gegend von interlaken einmahl bequem genießen wollte. ich blieb am 11. und 12. (an welchem tage mein russe wegging), zwey herrliche tage, ging in der umgegend spatzieren etc. Am 13. nach tische, um 1/2 6, verließ ich interlaken, fast ungern. man attachirt sich an nichts so leicht als an eine reizende gegend, merkt dieses aber erst beym Weggehen. mein führer Jacob kuebli nahm mir ein Boot und ruderte mich en fa- mille nach Brienz, wo wir um 8 und von da in einem einspänner um 10 uhr in meyringen ankamen. dort waren alle Wirthshäuser besetzt, und man schickte mich in eine mühle, genannt Pension ruoff, dem rendezvous der mahler, wo ich ein passables unterkommen, dagegen aber eine ganz allerliebste kleine schweizerinn, die enkelinn des müllners, marianne vom Berge, fand. in diese verliebte ich mich denn auch stante pede. tags darauf war es neblicht und regnerisch, ich schwankte also lange, ob ich meine Bergreise antreten sollte oder nicht und wäre gar nicht un- gerne bey der hübschen marianne geblieben, endich aber siegte die ver- nunft über das herz, und ich ritt, jedoch erst um 9 uhr, fort, mit mir mein führer und der Pferdeknecht. Auch heiterte es sich bald auf, und es wurde ein sehr schöner tag. der Weg war ziemlich, jedoch nicht zu sehr 1 es handelte sich um die geplante staatsanleihe zur Abschöpfung des Papiergelds und zur Defizitfinanzierung, vgl. Eintrag v. 14.9.1851.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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