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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 486 -
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Tagebücher486 ich selber fuhr tags darauf um 2 uhr auf der eisenbahn nach Baden, um einen tag umzubringen, da ich nicht vor dem 22. oder 23. hier seyn wollte. dieser schweizerische Badeort erschien mir aber höchst langweilig, so daß ich froh war, als um 7 der letzte Zug nach Zürch wieder abging und ich um 8 zuhause war. Am 20. früh 8 uhr fuhr ich im eilwagen ab und war um 12 in schaffhau- sen, von da ging ich in das hôtel Weber am rheinfalle über eine stunde weit zurück, in der Sonnenhitze, verlor meinen Weg und kam endlich fluchend und schimpfend an. der tag verging ziemlich langweilig in dem mittelmä- ßigen Wirthshause, und ich ging früh zu Bette, da ich tags darauf schon um 1/2 5 aus den federn mußte. dennoch kam unser omnibus, zum theile durch meine schuld, ein paar minuten nach 1/2 6 zu dem schaffhauser dampfboote, als dieses schon in Bewegung war, doch nahm es uns noch auf, wir waren um 10 in constanz, wo ich mich sogleich auf das schiff be- gab, welches nach friedrichshafen ging, wo wir um 12 ankamen. kaum der visitation entkommen, ging es um 1/2 1 mit der eisenbahn wieder weiter, und ich kam um 4 uhr in ulm an, wohnte in einem misérabeln und doch dem besten gasthofe der stadt und langweilte mich wieder weidlich. es liegt eine eigene Atmosphäre von langweile über süddeutschland, diesem vaterlande des spießbürgerthumes. übrigens sah ich mir die domkirche an. Am 22. um 1/2 10 fuhr ich im eilwagen ab, eine volle stunde warteten wir am Bahnhofe auf die ankommenden Züge, dann ging es erst fort. ich saß in einem coupé mit einem englischen alten gentleman, seiner frau und tochter, recht angenehme und anständige leute, was mir als eine lek- tion im englischen galt. um 1/2 7 waren wir in Augsburg, wo meine eng- länder blieben, ich fuhr mit der eisenbahn weiter und war um 1/2 10 hier im bayerischen hofe. hier erhole ich mich ein wenig bey guter Wohnung, kost etc. von den mühen und der langen Weile der höchst ennuyanten reise seit Zürch, resp. luzern, doch nicht auf lange, denn eduard, welcher gestern vormittag hier ankam, läßt mir keine ruhe, und so werden wir morgen vormittag nach Ansbach abfahren. von lerchenfelds habe ich leider niemand gesehen, die damen sind in der schweiz bey Amélie reinhard, was ich leider erst hier erfuhr. gustav lustwandelt in den Bergen, wird aber jeden tag erwartet, da nächstens sit- zungen eines Ausschusses sind, dem er angehört. doch will ich ihn, ehe ich Bayern verlasse, jedenfalls sehen und werde ihm daher entweder in donau- wörth ein rendezvous geben oder von Ansbach wieder hieher kommen. mit eduard war ich gestern beynahe den ganzen tag, d.h. seit 2 uhr, wir aßen zusammen bey havard und waren Abends im circus, heute frühstückte er
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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