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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 487 -
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48730. August 1851 bey mir. Er ist der alte vortreffliche Mensch, der nur 2 Fehler für mich hat: 1. daß er zuviele leute kennt und mit Jedermann freundlich seyn will, 2. daß er zuviel politisirt, was besonders jetzt und zwischen uns (er ist näm- lich ein ultra-loyaler) zuweilen unangenehm ist. von Bekannten sah ich sonst niemand, valentin esterhazy ist in te- gernsee.1 münchen ist immer leer und langweilig und doppelt so zu dieser Jahreszeit, dazu ist es cannibalisch heiß. Ansbach 30. August Am 25. früh 11 uhr fuhr ich mit eduard von münchen auf der eisenbahn bis gunzenhausen, wo wir um 5 ankamen, von dort nahmen wir einen Wa- gen und waren gegen 9 uhr Abends hier. da in eduards hause kein Platz für mich war, so wohne ich im sterne, bin aber den ganzen tag bey ihnen. eduard hat die hübschesten kinder, die man sich denken kann, namentlich die mädchen. clementine ist eine auffallend schöne elegante Person, wel- che jetzt auf einige monate in eine orthopädischen Anstalt nach Berlin soll, um einen, mir beynahe unmerklichen, fehler in ihrem Wuchse zu verbes- sern. übrigens hat sie auch schon ihren roman, und zwar einen ziemlich ernsten und traurigen, dank ein paar Betschwestern und der spaltung der confessionen. eduard selbst ist das glücklichste heiterste sonntagskind in der Welt. Jedermann liebt ihn und hält große stücke auf ihn, es ist nicht leicht mög- lich, eine harmonischere Natur und Existenz zu finden als die seinige, nur in 2 Dingen findet eine Ausnahme Statt: in Religion und Politik, in ersterer Beziehung ist er ein intoleranter katholik, in zweyter ein leidenschaftlicher royalist, der auch nicht selten déraisonnirt. ungeachtet dessen aber kom- men wir miteinander sehr gut aus, und es gibt wenig menschen, für die ich eine solche Zuneigung fühle als für ihn. Ich befinde mich daher sehr wohl in seinem familienkreise, wenn es auch auf längere Zeit ziemlich einförmig wäre. nach dem frühstücke wird schach gespielt etc., dann gehe ich mit lenchen spatzieren, um 2 uhr wird gegessen. Abends sind immer einige leute zum thee, es wird musik gemacht etc., clementine auf dem clavier, eduard am violoncello sind wirklich ausgezeichnet. herr v. krafft, Bertha seefried, Pappenheim, fedor crailsheim, ernst lerchenfeld etc. sind die fast täglichen gäste. gestern war ich mit lerchenfeld bey einer öffentlichen gerichtsverhandlung. Von Gustav Lerchenfeld habe ich unbegreiflicher Weise noch immer keine Antwort, so daß ich also noch nicht weiß, ob und wie ich ihn sehen werde. Bis 5. oder 6. will ich jedenfalls in Wien seyn. 1 graf valentin esterházy war österreichischer gesandter in münchen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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