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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 488 -
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Tagebücher488 dort ist endlich die Bombe geplatzt und die Position allerdings viel kla- rer. die verfassung vom 4. märz aufgehoben und die minister jeder verant- wortlichkeit außer gegen den monarchen entbunden.1 ich bin nun neugie- rig, wie sich die dinge weiter entwickeln. [Ansbach] 5. september mein Aufenthalt hier hat sich mehr verlängert als ich dachte. erstlich ließ gustav lerchenfelds Antwort lange auf sich warten. endlich am 2. kam sie, er war eben erst in münchen angekommen und gab mir für den 3. früh in nürnberg rendezvous. obwohl mir nun diese fahrt sehr ungelegen war (denn da ich ihm gar nichts zu sagen hatte, sondern einfach den Zweck hatte, ihn nach langer Zeit wieder einmahl zu sehen, so hatte ich gehofft, ihn irgendwo auf meiner reiseroute, in donauwörth oder münchen zu se- hen), so konnte ich doch nun nicht mehr zurück und fuhr daher noch am selben tage, dem 2. nachmittags 4 uhr mit dem eilwagen nach nürnberg, wo ich gegen 9 ankam und verabredetermaßen in der blauen glocke ab- stieg. Am nächsten morgen um 6 uhr, als ich noch im Bette lag, kam gu- stav und blieb lange bey mir, wir frühstückten dann miteinander, gingen trotz des schlechten Wetters aus, um einige commissionen abzumachen (unter andern in der fleischmannschen steinpappenfabrik), aßen um 12 table d’hôte, worauf er um 1 mit der eisenbahn nach heinersreuth und ich um dieselbe stunde mit einem lohnkutscher nach Ansbach zurückfuhr. ich fand lerchenfeld so ziemlich unverändert: gemäßigt, ruhig und durchaus nicht, wie ich nach eduards partheyischer schilderung gedacht hatte, als einen französischen constitutionsnarren. er nimmt z.B. die neuesten österreichischen ereignisse ganz ruhig und vernünftig auf, wenn er auch einen rückschlag auf Bayern befürchtet, obwohl dieser, wie er sagt, immer nur sehr unbedeutender natur seyn dürfte. dagegen hält er nicht 1 formal wurde die verfassung vom 4.3.1849 erst mit dem silvesterpatent 1851 aufgeho- ben. in den mit 20.8.1851 datierten kabinettschreiben des kaisers (veröffentlicht am 26. August) an den ministerpräsidenten und den Präsidenten des reichsrats hieß es, „da die dermalen ausgesprochene verantwortlichkeit des ministeriums einer gesetzlichen deut- lichkeit und jeder genauen Bezeichnung ermangelt, so fühle ich mich durch meine regen- tenpflicht bestimmt, das Ministerium aus seinen zweifelhaften politischen Beziehungen in die ihm als meinem rathe und meinem obersten vollziehungsorgane zustehende gehörige stellung zu bringen, dasselbe als allein und ausschließend gegenüber dem monarchen und dem throne verantwortlich zu erklären und es der verantwortlichkeit gegenüber jeder an- deren politischen Autorität zu entheben.“ gleichzeitig wurden beide aufgefordert, in einem gutachten „die frage über den Bestand und die möglichkeit der vollziehung der verfas- sung vom 4. märz 1849 in reife und eindringliche erwägung zu ziehen,“ wobei „das Princip und der Zweck der Aufrechterhaltung aller Bedingungen der monarchischen gestaltung und der staatlichen einheit meines reiches unverrückt im Auge zu behalten“ sei.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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