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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher490 morgen früh reisen wir, meine unterredung mit eduard hat gute früchte getragen, es hat zwischen ihm und seiner tochter eine explication statt- gefunden, in deren folge es besonders letzterer leicht und froh ums herz geworden ist. mag nun der endausgang sich wie immer gestalten, so ist die- ses doch für den Augenblick und bey clementinens physischem Zustande ein großer gewinn. Was mich betrifft, so gehe ich, wiewohl das hiesige le- ben ein einförmiges und eintöniges war, dennoch ungern weg. dieses fami- lienleben behagte mir, und ich habe mich seit lange nicht so ruhig befun- den wie jetzt. eine sehr liebenswürdige frau habe ich in Bertha seefried kennen gelernt. gestern hatten wir ein kindertheater, wo eduards kinder, gouvernante etc. ein französisches stück aufführten. die Abende sind wir immer (mit alleiniger Ausnahme einer soirée bey lerchenfeld vor ein paar tagen) zuhause gewesen in gesellschaft einiger besserer Bekannten, kar- ten spielend etc. Wien 14. september Abends Am 9. früh 1/2 8 fuhren wir von Ansbach ab: eduard, lenchen, clementine und ich, der Abschied war natürlich besonders rücksichtlich clementinens ein schwerer, es fehlte niemand, den sie hätte vermissen können. unter- wegs wurde eine Zeit lang im Wagen Whist gespielt, um die traurigen zu zerstreuen. um 1/2 1 waren wir am Bahnhofe in nürnberg, wo wir aßen. flora crailsheim besuchte uns da. um 1/2 2 wurde von eduard Abschied genommen, und wir 3 fuhren per eisenbahn über Bamberg, culmbach, die schiefe ebene bis hof, wo wir gegen 9 ankamen und im hirsch übernach- teten. clementine wurde nach der ersten halben stunde heiter, ja kindisch muthwillig, was sie auch die ganze übrige Zeit unseres Beysammenseyns blieb, es liegen in ihr keime von coquetterie und Ambition, die ich in ihrem familienkreise bisher nicht so bemerkt hatte, und sie erschien mir jetzt in einem neuen lichte, jedoch nur noch liebenswürdiger. Am 10. früh 6 uhr fuhren wir (nach einer eiskalten nacht) weiter, über Altenburg, das gölschthal etc. nach leipzig, wo wir um 11 uhr ankamen und von lenchens Bruder Bachmayer empfangen wurden, der nähe halber fuhren wir nach dem elenden hôtel de rome. meine Absicht war gewesen, denselben Abend 5 uhr weiter und zwar ohne Aufenthalt bis Wien (wo ich sodann donnerstag 11. angelangt wäre) zu fahren. die damen aber sollten donnerstag früh 6 uhr nach Berlin fahren, wo sie sich bereits annoncirt hatten. im letzten Augenblicke jedoch bestürmte mich clementine, ich solle doch den Abend noch bey ihnen bleiben, wozu ich mich, obwohl es mich ein Bischen derangirte, endlich doch unter der Bedingung verstand, daß auch sie ihre Abreise um einige stunden verzögerten, damit ich nicht morgen den ganzen tag bis 5 uhr nachmittag allein in leipzig bleiben müsse. len-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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