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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 494 -
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Tagebücher494 keine Projecte, möchte aber gar zu gerne von hier fort, orient, neapel etc., all eins. indessen sitze ich fast jeden Abend aus langerweile in der oper und nachher im leeren casino, regrettire aber die fehlenden durchaus nicht. eduard habe ich heute geschrieben und eine masse französischer Jugendschriften geschickt. [Wien] 25. september ich war wieder einmal in Baden über nacht, traf es aber dießmal glück- licher, da ich heute einen sehr schönen tag hatte, obwol gestern Abend ein furchtbares ungewitter war. ich ging denn also heute den ganzen vor- mittag spatzieren, aß bey flore und fuhr dann herein. obwol Baden schon sehr leer ist, so thut mir doch die herrliche gegend, vor Allem aber die Abwechslung gegen das hiesige einerley wohl. es leidet mich nicht mehr recht hier, ich möchte fort ohne zu wissen wohin? mich schon jetzt für den ganzen Winter zu absentiren, scheint mir unter den jetzigen verhältnissen, wo dann doch nächstens etwas entscheidendes, was auch auf meine ent- schlüsse Einfluß haben könnte, erfolgen muß, nicht rathsam. Anderseits wird in der nächsten Zukunft wohl nichts geschehen, da der kaiser erst am 6. zurückkehrt und dann wahrscheinlich gleich nach galizien, also we- nigstens auf 3 Wochen, verreist, so daß bis Anfangs oder mitte november dieses Provisorium sich fortziehen dürfte. für diese Zwischenzeit möchte ich nun fort, weiß aber nicht wohin? einige Besuche auf dem lande (bey mathilde Berchtold, Alexander erdödy, Breuner etc.) von 2–3 tagen zu ma- chen, hilft mir über diese Zeit nicht hinweg und langweilt mich nebstdem. somme toute, mich langweilt das ganze Junggesellenleben, ich fühle mich allein, uncomfortable und ohne eigentliche Wohnung und heimath, das mag wohl die entwicklungsgeschichte eines jeden menschen seyn, der als garçon in mein Alter kömmt. hier habe ich, um mich zu zerstreuen, mir meine hübsche fröhliche operntänzerinn wieder beygelegt, mit der ich, so oft das scheußliche Wetter und ihre Beschäftigung es erlauben, über land fahre und mich ziemlich gut mit ihr amusire. es ist ein so ganz anderer Genre als der Pariser, dem Beutel weit weniger empfindlich, aber gefähr- licher, weil man sich leicht an sie gewöhnt, während man bey einer Pari- serinn überzeugt seyn kann, daß sie einem nicht die Zeit dazu lassen wird. fürst metternich ist seit vorgestern wieder hier, und das ist das ereigniß des tages, es macht eine tiefe sensation, den alten herrn, der durch 30 Jahre (solange wir Alle denken) als die incarnation der österreichischen regierung galt, wieder hier zu sehen. übrigens ist für ihn die Zeit der ge- schichte und gerechtigkeit bereits gekommen, jede Animosität gegen ihn halte ich für verstummt, der vergleich mit den Pygmäen, die ihn ersetzten, die edle haltung, die er am 13. märz und seitdem immer behauptet hat,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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