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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher502 nung, die ganz nach englischer sitte eingetheilt ist: frühstück um 11, di- ner um 7, worauf man bis 1 uhr nachts und länger im salon bleibt. Wenn ich kein so alter und genauer Bekannter mathildes, und sie nicht eine wirk- lich originelle frau wäre, so wäre es da nicht lange auszuhalten, da ich aber nebstdem das ruhige landleben so sehr gerne habe, so befand ich mich dennoch ziemlich wohl, wir fuhren vor tische spatzieren, zur Weinlese, die eben abgehalten wurde, etc. Am 17. mittags wollte ich abfahren, ließ mich aber im letzten Augenblicke bewegen, noch einen tag zu bleiben. mathilde ist eine ganz eigenthümliche frau, bey vielen verkehrtheiten eine gesunde practische und tief gemüthliche natur, an die ich es begreife, daß man sich sehr attachiren kann, wenn sie auch weniger schön wäre. sie erzählte mir viel, unter anderen dingen höchst ausführlich die unglückli- che Zichysche catastrophe, und zeigte mir eduards 5 minuten vor seinem tode an sie geschriebenen Brief.1 Diese Frau ist die Personifikation des Zwiespaltes zwischen der ursprünglichen menschennatur und den conven- tionellen satzungen unserer civilisirten gesellschaft, daher sie sich auch beyde als erbitterte feinde gegenüberstehen. ich aber kann solche men- schen begreifen und mit ihnen sympathisiren. Abends kamen mehrere Cuirassieroffiziere, die auch den folgenden Tag blieben. An diesem, dem 18., fuhr ich nach 3 uhr ab. mathilde und einige Offizire begleiteten mich zu Pferde eine Stunde weit, Mathilde, obwohl ich und der Arzt ihr das reiten dringend abgerathen hatten. nach 7 uhr war ich in Waitzen, in einem scheußlichen Wirthshause, wo ich eine miserable nacht zubrachte. gestern um 1/2 9 fuhr ich mit der eisenbahn ab, fand im Waggon edmund Zichy, in megyér kam louis károly dazu, welcher bis Lanschitz mit uns fuhr. Von Pressburg aus fuhren noch 2 Cuirassieroffi- ziere von Walmoden mit uns.2 nach 7 war ich zuhause, und ging noch in die oper, sah meine kleine güttersberger tanzen und ein gerüst auf der Bühne mit menschen etc. zusammenbrechen, doch geschah kein erhebli- ches unglück. caroline Bentheim ist im Wochenbette gestorben! und die arme mutter liegt im sterben, das ist ein Jammer.3 1 Es ist unklar, worauf Andrian sich hier bezieht. Gräfin Mathilde Berchtolds Schwester charlotte war mit graf emanuel Zichy verheiratet, aus den gängigen genealogien der familie Zichy lässt sich jedoch kein todesfall zu Andrians eintrag in Beziehung setzen. eventuell haben die ereignisse jedoch mit dem selbstmord von charlotte Zichy kurz darauf am 12.11.1851 oder mit der hinrichtung von graf eugen (nicht eduard) Zichy durch die ungarischen revolutionsbehörden am 30.9.1848 zu tun. 2 inhaber des 6. kürassier-regiments war seit 1819 general graf ludwig Wallmoden-gim- born. 3 Andrians Cousine Gräfin Caroline Waldstein-Wartenberg, seit Dezember 1850 verheiratet
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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