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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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50330. Oktober 1851 hier stehen die dinge stockstill, der kaiser ist in gallizien. Alles wartet, hofft aber nicht mehr viel. Bach und schwarzenberg stehen für den Augen- blick fest, daher Änderungen in der verwaltung kaum zu erwarten, und dieses wäre für den Augenblick das nöthigste, die finanzen vielleicht aus- genommen, in denen übrigens, da auch krauss sich behauptet, ebenfalls nichts zu hoffen ist, das Deficit des 1. Semesters 51 betrug 55 Millionen!! in ungarn habe ich mich nun selbst überzeugt, wie jämmerlich es mit der Administration aussieht, und was für subjecte die organe der regierung sind. um den Absolutismus halbwegs annehmbar zu machen, müßte man materiell gut regieren, um auf die dauer überhaupt regieren zu können, müßte man wohlfeil regieren, und um dieses zu können, über wenigstens in der majorität zufriedene völker regieren, von allem diesen geschieht aber gerade das gegentheil, wie kann daher auf diesem Wege einer abermaligen revolution ausgewichen werden? ich sehe es nicht. in frankreich beginnt, wie es scheint, die crisis schon jetzt, der Präsi- dent scheint, um seine Wiederwahl zu erreichen, sich auf die demokratie stützen zu wollen. changarnier und Joinville sind nebst ihm die candida- ten der gemäßigten, ledrurollin der rothen, daher eine stimmenzersplit- terung unter Jenen möglich.1 [Wien] 30. oktober das Wetter ist noch immer wunderschön, doch beginnen seit ein paar ta- gen nebel und kälte an den herannahenden Winter zu mahnen, ich werde dieser tage anfangen müssen zu heizen. Bisher hatten wir (nun schon seit fast 6 Wochen) superbe warme tage, so daß man selbst Abends im leichten rocke ausgehen konnte. Auf meinen humor und meine stimmung wirkt nichts so sehr als das Wetter, scheint die sonne, so bin ich heiter und guter dinge. in Aegypten wäre ich der liebenswürdigste mensch von der Welt. da wir aber nicht in Aegypten sind, und nebstdem der hereinbrechende Winter an den Anfang eines neuen Zeitabschnittes (für mich immer eine unangenehme mahnung) erinnert, so fange ich denn jetzt auch wieder an, mich mit meiner lage, meinen Projecten und Aussichten zu beschäftigen, deren ungewißheit immer unangenehmer wird. Bisher habe ich ziemlich sorglos von einem tage zum anderen gelebt, meine einzige unterhaltung bestand zwar in meiner kleinen cathi güttersberger, welche ein sehr herzi- mit Prinz ferdinand Bentheim-steinfurt, war am 12.10.1851 in Prag gestorben, ihre mut- ter (Andrians tante mütterlicherseits) cajetana starb am 1. februar 1852. 1 louis napoleon Bonapartes Amtszeit als Präsident endete im dezember 1851, eine Wie- derwahl war unter der geltenden verfassung nicht möglich. in einem staatsstreich in der nacht vom 1. auf den 2.12.1851 übernahm er deshalb die macht und ließ sich am 20. de- zember auf 7 1/2 Jahre wiederwählen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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