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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 507 -
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50714. November 1851 gabrielle ist seit ein paar tagen hieher in die Winterquartiere einge- rückt. [Wien] 14. november trübes neblichtes herbstwetter, doch weder kalt noch naß, also bis jetzt noch erträglich. Auch die Aspecten sind trüb und werden immer winterlicher. man hört und hofft nichts, ich glaube kaum, daß in unseren inneren fragen etwas von Bedeutung geschehen wird, ehe die crisis in frankreich, auf der nun alle erwartungen von jeder seite ruhen, vorüber ist, also vielleicht bis zum sommer! Aber inzwischen versinken wir immer tiefer, vielleicht bis zum Ersticken tief, in den finanziellen, administrativen und politischen schlamm. die valuta war schon rasch bis über 28 gestiegen, und man sah schon im geiste die Zustände des november vorigen Jahres wiederkehren. da griff die regierung zu ihrem gewöhnlichen Auskunftsmittel: der stadthaupt- mann erschien mit Polizeysoldaten auf der Börse, ließ arretiren und aus- weisen, und in Folge dessen fiel das Silber bis 25, um nun wieder langsam zu steigen. Alicia [Wilkinson] war 2 tage hier, gabrielle war ihr natürlich von größe- rer ressource als ich, es erfreute und bewegte mich zugleich, sie nach mehr als 15 Jahren wieder zu sehen, damals war sie ein blühendes muthwilliges schönes mädchen, jetzt eine durch kummer und fremdes clima verwelkte frau, mit einem allerliebsten töchterchen. grade vor ihrer Abreise hatte ich noch ein langes tête-à-tête mit ihr, sie erzählte mir von indien, Aegyp- ten und dem dort herannahenden Conflict mit Rußland. Diese großartige Weltanschauung der engländer, die eigentlich nichts als gesunder men- schenverstand ist, kam mir gegenüber unserer krähwinkelpolitik und lei- denschaft doppelt großartig vor. Ja, rußland und england, das sind jetzt die eigentlichen Weltmächte, wir Anderen sind einzelne trümmer. Was eben jetzt die hauptaffaire ist, ist eine krähwinkliade von reinstem Wasser. es ist – man denke! – ein russischer gesandtschaftssekretär uex- küll im casino ausballottirt worden! ein paar unüberlegte Jungen, for- ray und lichnowsky wollten sich dafür rächen, daß feri esterhazy, den sie proponirt hatten, ebenfalls schwarze kugeln erhalten hatte, darüber nun entsetzliches halloh. meyendorf läuft zu schwarzenberg, zu grünne, zum kaiser, schreibt depeschen nachhause, tritt mit seinem ganzen Personale aus etc. etc., tant de bruit pour une omelette, das casino ist in seiner exi- gleichzeitig befand sich der erste Beamte der gesandtschaft, freiherr August von koller, in Wien. die vertretung wurde daher vom legationssekretär frh. Alois v. kübeck geleitet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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