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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 509 -
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5091. Dezember 1851 darüber, daß dieses bald, jedenfalls vor ende dieses Jahres geschehen muß, nur weiß ich noch durchaus nicht wohin? Zu weit möchte ich mich nicht gerne entfernen, um im falle dann doch eine veränderung eintreten und auf mich persönlich von Einfluß seyn sollte, bey der Hand zu seyn. Ande- rerseits ist venedig der einzige erträgliche ort in der nähe, und ich habe keine große lust, schon wieder dahin zu gehen, wo ich kaum erst gewesen, Am liebsten ginge ich nach neapel und noch lieber, wenn ich eine geraume Zeit vor mir hätte, in den orient oder nach spanien. einstweilen bin ich aber noch nicht einmahl nach Baden gekommen, wo resi Pallavicini und clementine mocenigo schon seit 14 tagen sind und mich erwarten. diesen Abend gehe ich der gittersberg zu liebe in die katharinenre- doute, obwohl es mir ein unangenehmes gefühl verursachen wird, diesen saal, in welchem ich so angenehme stunden verlebt habe, post tot discri- mina rerum wiederzusehen. der kurfürst von hessen ist hier auf Besuch, scheint aber trotz seiner „gut österreichischen und gutgesinnten“ eigenschaften dennoch keine per- sona grata am hiesigen hofe zu seyn und thut und sagt nichts als dumm- heiten, so z.B. frug er hess, ob er den feldzug in italien mitgemacht habe? etc.1 [Wien] 1. dezember nachdem wir noch zuletzt einen ungeheuern schneefall gehabt hatten, ist nun seit einigen tagen starkes thauwetter eingetreten und der schnee wieder beynahe ganz verschwunden. ich war vor ein paar tagen in Baden, um clementine mocenigo und resi Pallavicini zu besuchen, die sich für den Winter dort (!) etablirt haben. es machte ein große freude, diese meine alten und guten freunde wiederzu- sehen, ich fand sie zwar im Äußeren etwas verändert, sonst aber ganz die Alten. Auf der rückfahrt traf ich carl Wenkheim und seine frau, die eben von verona kamen, wo sie den fm radetzky besucht hatten.2 nach und nach rücken die leute hier ein, ohne daß dieses für mich, da ich der hiesigen sogenannten großen Welt wenn nicht auf immer, doch vor der hand Adieu gesagt habe, eine veränderung in meiner lebensweise mit sich brächte. ich gehe nach wie vor alle Abende ins casino, obwohl ich alle tage nach einer besseren Unterhaltung suche, ohne diese zu finden. Manchmal gehe ich des Abends zu gabrielle, wo ich gewöhnlich erzherzog Wilhelm an- treffe, einen Abend war ich bey ida Bombelles und gestern bey Bébé strozzi 1 general frh. heinrich von hess war während der kriege 1848 und 1849 generalstabschef des kommandierenden der italienischen Armee, feldmarschall radetzky. 2 Gräfin Friederike Wenckheim war eine Tochter von Feldmarschall Radetzky.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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