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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 510 -
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Tagebücher510 mit felix Jablonowsky, gabrielle und den odonnell’s, den größten theil meiner Abende jedoch bringe ich im theater, meistens in der casino loge des kärnthnerthortheaters zu und sehe meine cathi [güttersberger] tan- zen, ein vergnügen für götter, und in den Zwischenakten unsren dummen Premier mit irgend einer Jüdinn auf studentenart kokettiren. die kathari- nenredoute machte mich traurig, sie war leer und langweilig, und ich kam mir ganz fremd und uralt geworden vor, quantum mutatus ab illo. die polizeylichen vexationen und Ausweisungen auf der Börse nehmen immer zu und sind das tagesereigniß, es geschehen unglaubliche dinge, den angesehensten leuten, industriellen etc. wird mit dem kriegsgerichte gedroht, wenn sie (selbst zur Befriedigung ihrer Verpflichtungen) Gold oder fremde Wechsel kaufen. im Auslande macht dieses eine ungeheuere und sehr erklärliche sensation und bringt gerade die entgegengesetzte Wirkung hervor. man glaubt dort den Bankerott vor der thüre und will mit Wien keine geschäfte mehr machen. die englischen Zeitungen sind merkwürdig zu lesen, übrigens sind wir der kossuthiaden wegen mit england gerade jetzt gespannter als je, und lord Westmoreland, der nun bald 2 monathe hier ist, hat seine creditive noch nicht übergeben können. Alles in Allem scheint die regierung aux abois zu seyn. Bruck ist so eben citirt worden, hat sich aber geweigert zu kommen. [Wien] 3. dezember 1 gestern früh hat louis napoleon die nationalversammlung gesprengt, changarnier und lamoricière verhaften lassen, so lautete die telegraphi- sche depesche, die gestern um 1/2 2 ankam, und die ich Abends erfuhr. seitdem sagen spätere depeschen, daß er gestern nachmittag ausritt, mit Jubel empfangen wurde, Paris ruhig und einverstanden sey, das allgemeine Wahlrecht proclamirt, die Präsidentenwahl auf den 14. ausgeschrieben, endlich fould, rouher und morny minister. détails fehlen noch, bisher scheint also der staatsstreich gelungen, ob das nun ein fait accompli ist, werden diese nächsten tage zeigen, ich zweifle noch, daß die Armée Louis Napoleon ergeben sey, daß die Natio- nalversammlung so ohne Widerstand weichen werde. ich suspendire daher vor der hand jedes urtheil, es kann daraus die revolution oder auch die consolidirung des friedens in europa entstehen, oder auch eine energische regierung in frankreich, welche uns am allerungelegensten seyn dürfte. mittlerweilen jubeln die Absolutisten, und die conservativen, jene jeden- falls mit unrecht, und vielleicht auch diese.a Auf der Börse machte das heute wenig eindruck, weit weniger als unter den diplomaten, jedoch steht a folgender halbsatz gestrichen: denn der streich scheint eher gegen die con-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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