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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 517 -
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5172. Jänner 1852 abgenommen und selbst der natürliche wieder unter controlle gestellt, die schwurgerichte, die öffentlichkeit, die unabsetzbarkeit der richter aufge- hoben etc., und statt aller repraesentation und garantie dieser büreaukra- tischen Allmacht gegenüber berathende Ausschüsse aus dem grundbesitze und der industrie bey den kreisämtern und statthaltereyen, worüber die statuten „nachfolgen“ werden! den großen grundbesitzern ist als Brocken die exemtion vom gemeindeverbande, den ungarn die Wiederherstellung des königlichen titels, dann eines schattens der comitate, endlich die hoff- nung auf Abschaffung der Woiwodina hingeworfen, übrigens das ganze so auf schrauben und klauseln gestellt, daß von der Ausführung (wenn es zu einer solchen kömmt) Alles abhängen wird. das ist kühner, als ich erwartet habe, jedoch auch dummer. die leute glauben, mit Beamten Alles richten zu können, und verstehen es dabey nicht einmahl, materiell gut zu regieren und für die fleischtöpfe zu sorgen. da- bey ist viel leidenschaft und theoretisches Zopfthum, z.B. die Abschaffung der schwurgerichte, welche viel böses Blut machen wird, und die sich doch bisher überall gut bewährt haben. gegen diese aber geht gerade der größte Zorn der Zöpfe. daß dieser staatsstreich bey den mittleren und niederen klassen, wel- che am meisten an der Politik hängen (schande genug für uns), einen sehr schlechten eindruck hervorbringen werde, war vorauszusehen, was mich aber einigermaßen überraschte war, daß, wenigstens soviel ich bis jetzt se- hen konnte, bey den höheren ständen und unter den ungarn der eindruck ziemlich derselbe ist. es scheint jenen endlich doch Angst zu werden vor schrankenloser Willkür, und daß Bach (welcher in den betreffenden con- ferenzen der leidenschaftlichste von Allen, sowie felix schwarzenberg der dummste, war, und dem jene Anordnungen noch zu liberal waren, so daß er von kübeck, salm und salvotti derbe Zurechtweisungen erhielt), dieser nun von aller Welt verachtete hundsfott, am ruder bleibt, erbittert Alle, den- noch glaube ich, daß auch seine tage gezählt sind. Was mich betrifft, so bleibt mir vor der hand – Brüssel, wohin ich näch- stens abgehe, das vernünftigste wäre zu heirathen, und daran denke ich in allem ernste. hier beginnt eine unbegreifliche vergnügungssucht zu rasen: felix schwarzenberg wird auf Befehl des kaisers 4 Bälle geben, um eine amal- game der Aristokratie mit einem halben dutzend Jüdinnen zu versuchen, den ersten schon am 4. erzherzogin sophie gibt ebenfalls Bälle ohne Zahl, etc. seit 8 tagen haben wir sehr schönes Wetter, diese letzten 3 tage sogar warm und angenehm.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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