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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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52117. Jänner 1852 lichkeit, keinen Bedienten mit mir zu haben (den meinigen hatte ich bey meiner Abreise entlassen), das drückende Bewußtsein, nicht vollkommen gewaschen zu seyn etc. Alles das zusammengenommen verbesserte meinen humor nicht. ich aß um 2 an der table d’hôte (im hôtel de saxe) mit dem Wirthen und einem rittmeister, von denen ich mir aus verzweiflung détails über den dresdneraufstand1 erzählen ließ. gott der herr hat kein langweiligeres land und volk geschaffen als sachsen und Alles was sie sagen und thun. nach tische fuhr ich fort, einige österreichische offiziere der hamburger- garnison fuhren mit mir. um 9 waren wir in Berlin, und ich stieg wie ge- wöhnlich im hôtel meinhardt ab. hier ist es nun schon um vieles besser. Berlin ist doch eine große stadt, und die Preußen ganz andere leute als die sachsen, überhaupt scheint es sich, soviel ich bis jetzt beurtheilen kann, hier in jeder, materieller wie geistiger und politischer Beziehung, ganz tüchtig zu regen, hier haben die leute doch nutzen und lehre aus 1848 gezogen, nicht wie bey uns, hier scheint man den Weg englands zu gehen, und wird der Boden des conser- vatismus, der Aristokratie (in der inneren Politik) werden, bey uns wird das land von oben herab militairisch und bureaukratisch democratisirt, um dann den Weg frankreichs zu gehen, wo nicht zu zerfallen, die provisori- schen verordnungen, welche die verhaßte Jury definitiv beseitigen und er- setzen, sind bereits erschienen,2 ein rückschritt sogar gegen die vormärz- liche gesetzgebung, welche das institut der Beysitzer kannte! heute lese ich, daß schwarzenberg (welcher allerdings bey meiner Abreise unwohl war) vom schlage gerührt worden seyn soll! das wäre die glücklichste lösung. heute früh fuhr ich in die orthopädische Anstalt des fräulein Weichen- thal, wo ich clementine und lenchen fand,3 und brachte fast den ganzen tag mit ihnen zu, mit Ausnahme der essenszeit, da ich bey mielentz aß. nach- mittags gingen wir in mehrere läden, dann zu frau von Pommeresche, mit welcher clementine sehr befreundet ist, endlich ging ich mit lenchen in den circus, wo Baucher aus Paris ritt und überhaupt eine sehr interes- sante vorstellung war, nachher trank ich noch meinen thee bey ihnen. ich 1 der dresdner maiaufstand 1849. 2 kaiserliche verordnung v. 11.1.1852 über das verfahren vor den landesgerichten, welches provisorisch bis zur einführung eines neuen gesetzes über das strafverfahren überhaupt, an die stelle des verfahrens vor den schwurgerichten zu treten hat, und die sofortige Ab- schaffung der öffentlichkeit des strafverfahrens durch verordnung des Justizministers v. 12.1.1852. 3 clementine, die siebzehnjährige tochter von Andrians cousin frh. eduard v. Andrian- Werburg und dessen frau magdalena (lenchen), befand sich seit september 1851 zur Be- handlung in Berlin, vgl. eintrag v. 30.8.1851.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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