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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher522 finde clementine größer und hübscher geworden, die cur macht erwünschte fortschritte, wird aber noch 8 monate dauern. morgen will ich einige unver- meidliche Besuche machen, mich jedoch im ganzen sehr ruhig verhalten. die kammern sind versammelt, daher eine menge frankfurter Bekannte hier: vincke, simson, Beseler, schwerin etc., die sämmtlich gerade zu der am meisten anti-österreichischen Parthey gehören, obwohl in diesem Au- genblicke eigentlich hier Jedermann dazu gehört, daher ich mich soviel als möglich zurückziehen muß, um nicht in Wien zu böswilligen Auslegungen veranlassung zu geben, ohnehin wäre dieses einer menge von leuten in der cara patria, Bach obenan, ein gefundener handel. mittwoch den 21. bin ich Willens abzureisen. [Berlin] 20. Jänner Abends heute hatte ich seit meiner Abreise von Wien den ersten schönen tag, bisher dagegen beständiger regen und sciroccowetter. vorgestern den 18. war großes ordensfest bey hofe, daher fand ich weder Prokesch noch sonst Jemand auf unserer gesandtschaft. heute machte ich ihm endlich meinen Besuch und ließ mir sehr lange von ihm vordeclamiren, es ist übrigens ein sehr geistvoller mann, ziemlich aigrirt gegen Preußen, was wohl sehr begreiflich ist, und ebenso gegen rußland, welches sich zu Preußen in ein immer näheres verhältniß zu stellen scheint, näher sogar als zu uns, namentlich gibt er Budberg daran schuld. er sprach mir sehr viel über den einfluß der hiesigen Bureaukratie auch in eigentlich politischen fragen, so z.B. habe sie die Beschickung des Wiener Zollcongresses (dieses todtgeborenen kindes) hintertrieben, während manteuffel ihn beschicken wollte. von sonstigen politischen notabilitäten, denen ich, wie gesagt, auswich, habe ich bloß saucken gesehen, d.i. zufällig begegnet, er sitzt jetzt hier auf der äußersten linken!! und klagte sehr über das corruptionssystem des mi- nisteriums, gestand übrigens, daß die opposition jetzt wenig Anklang im volke habe in folge des ministeriellen einschüchterungssystems, er ist der alte ehrliche hans dampf von 1848 geblieben. Wie unberechtigt oder doch wie unbedeutend kommen einem alle diese klagen vor, wenn man aus oesterreich kömmt! von da her höre ich nichts als fortwährende reactionaire maßregeln der leidenschaft, ohne alle noth oder ursache, ein niederreißen aus bloßem ingrimm, ein ewig zunehmendes niederhalten, Zwang, gewalt und rache. der Antagonismus zwischen Preußen (dem „verlangenden staate“, wie ihn Prokesch nennt) und oesterreich tritt immer stärker hervor, und unsere in- nere Politik arbeitet den leuten hier in die hände, denn es ist sehr leicht, uns in concessionen an die öffentliche meinung zu überbiethen. hier ist ver-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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