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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 523 -
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52324. Jänner 1852 stand und intelligenz in Allem und auf allen seiten, bey allen Partheyen, bey uns das gegentheil, namentlich eines versteht man hier vortrefflich, bey uns leider gar nicht: das nationalgefühl zu wecken, so war ich vorgestern im opernhause, wo man das feldlager in schlesien gab, mit einem wahrhaft königlichen Pomp, so eine vorstellung ist bey weitem mehr als ein bloßes spectakel. im übrigen habe ich diese tage fast ausschließlich lenchen und clemen- tine [Andrian] gewidmet, ließ mich durch sie trotz alles Widerstrebens in die beyden familien Pommeresche führen, welche Beyde sehr hochgestellte Beamte und ihre frauen sehr liebenswürdige damen sind, den gestrigen Abend brachte ich bey der einen zu, und morgen speisen wir noch zum Ab- schiede bey der anderen. heute Abends war ich mit lenchen und clemen- tine in der oper lucrezia Borgia und trank dann thee bey ihnen in ihrem am ende der Welt gelegenen Blutegelpalais. gestern aßen wir miteinander bey mielentz. morgen Abends 10 uhr denke ich abzureisen und freue mich nach Brüs- sel, um mich dort wieder ruhig und für längere Zeit einrichten zu können. Brüssel 24. Jänner Abends ich verlängerte meinen Aufenthalt in Berlin um 24 stunden, weil ich noch einige Besuche machen wollte. Budberg, den russischen gesandten, suchte ich am 21. vormittags auf, er fragte mich sehr umständlich über unsere ver- hältnisse aus, c’était ce que je voulais, daß er auf schwarzenberg und sein system (namentlich auf Bach) sehr übel zu sprechen seyn werde, wußte ich im voraus, fand es aber noch mehr, als ich erwartet hatte. nebst dem Winde, welcher von Petersburg weht, kömmt bey ihm noch der umstand dazu, daß er sehr gut preußisch gesinnt ist. kurz die freundschaft zwischen rußland und uns scheint mir lange nicht so dick, als man glauben machen möchte. Budberg erzählte mir namentlich über Prokesch dinge, welche die unhalt- barkeit seiner stellung, seine isolirung und ebendaher falsche Auffassung der dortigen dinge bewiesen. nach meinem diner bey Pommeresche, welches recht angenehm war, fuhr ich mit sämmtlichen damen in einen circus bey renz. Am 22. besuchte ich nothomb, welcher mir hieher ein empfehlungsschreiben an den ministre de la maison du roi, mr. vanPraet, mitgab, wovon ich mir viele vortheile verspreche. meysenbug, der badische geschäftsträger in Berlin, besuchte mich und erzählte mir manches, was mich interessirte. nachdem ich den nachmittag bis gegen 8 uhr bey Andrians zugebracht hatte (die auf einen Ball gingen), fuhr ich um 10 uhr Abends ab und war ge- stern früh nach 6 uhr in Braunschweig, die hämorrhoiden plagten mich auf dieser fahrt sehr, so daß ich froh war, in Braunschweig ausruhen zu kön-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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