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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 534 -
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Tagebücher534 sängerinn aus la havannah, señora martinez, welche mir spanische lieder vorsang, ich war froh, als ich wieder zur thüre draußen war. eine alte Wiener Bekannte, Pauline Pellmann, welche hier eine ganz gute existenz zu haben scheint, wollte und will mir eine verunglückte (doch recht annehmbare) landsmänninn aufdringen, um sie nach Wien zurückzubrin- gen, je ne penser pas, daß etwas daraus werden wird. ich amusirte mich neulich am Bal de l’opéra wieder damit, den grisetten, titis und Pieretten zuzusehen. es ist eine unglaubliche grazie und laune in diesen mädchen, und ich finde diesen von allen Pariser genres den pikan- testen. ebenso, aber in einer anderen Weise, verführerisch sind die eigent- lichen lionnes, die sogenannten grandes dames unter den femmes entre- tenues, z.B. doche, godefroy, Page etc. Alles was zwischen diesen beyden extremen liegt, ist langweilig, pretentiös und keinen heller werth. ich ging neulich, an einem herrlichen frühlingstage, ein paar stunden lang mit gozze auf den Boulevards und in den champselysées spatzieren, ein sehr amusanter mensch, aber ebensowenig österreicher und diplomat, als ich ein Pascha bin. gestern begegnete ich in den champselysées casimir Batthyany und seiner frau, wieviel war, seit wir uns zuletzt gesehen, vorge- fallen! ich ging mit ihnen und, als seine frau, um einen Besuch zu machen, sich entfernte, mit casimir noch lange auf und ab. kurz darauf begegnete mir scherr-thoss, welcher mir sagte, er habe mir vor kurzem nach Wien geschrieben, damit ich mich verwende, daß ihm die heimkehr erlaubt werde. ich versprach es ihm – wie kleinlaut gegen den vorigen sommer! dasselbe fand ich auch bey gyula Andrássy. das Brod der verbannung ist bitter. gestern Abend war großer Bal in den tuilerieen, ich ging spät, nach 12 uhr, eine ungeheuere cohue und, wie man sah, ein sehr gemischtes Publi- cum, die uniformen in der großen mehrzahl, ich sah fast keinen einzigen Bekannten. das englische ministerium ist trotz nugent’s Prophezeiungen gefallen, über einen Antrag lord Palmerstons. derby ist Premier, ein torycabinett. viele glauben, daß dieß bloß ein übergang ist. Auf das verhältniß zu uns wird es kaum von einfluß seyn, denn wir haben uns wieder einmahl dummer Weise mit england auf eine Art brouillirt, die auch den tories keine freye hand mehr lassen wird, da wir wegen der flüchtlingsfrage1 so eben repres- salien gegen die englischen reisenden angeordnet haben, c’est peu digne et bête en même tems, denn wir schaden uns (resp. triest) mehr als ihnen. hier denkt man wenig an die Wahlen, das ist ohnehin Alles comödie, denkt man. mittlerweilen ist es gewiß, daß l. napoléon kein terrain ge- 1 gemeint sind die ungarischen flüchtlinge und deren ungehinderter Aufenthalt in eng- land.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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