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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 539 -
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5396. März 1852 menseyns, worin ich ihn beynahe täglich an der tabledhôte sah und sprach, kennen gelernt habe, ein geistreicher oberflächlicher theoretiker, welcher wie seine collegen Proudhon etc. dem despotismus am allerwirksamsten in die hände arbeitet, indem er durch das vage seiner theorieen und durch den colossalen umfang der von ihm projectirten veränderungen und re- formen 99 menschen unter 100 erschreckt, nämlich alle furchtsamen, und nebstdem alle Jene, welche (und meiner Ansicht nach mit vollem rechte) eine so totale umwälzung des Bestehenden durchaus nicht für nothwendig, weder gerechtfertiget, noch provocirt halten. Prag 6. märz Abends Wie es mir bey solchen gelegenheiten immer zu gehen pflegt, so ging ich auch dießmal ungern von suarlée fort, während ich im Anfange meines sé- jours daselbst gefürchtet hatte, ich würde jene 2–3 tage kaum aushalten können, das ruhige, einförmige leben auf dem lande unter angenehmen menschen hat etwas Anziehendes, welches sich erst nach und nach, jedoch um so stärker geltend macht. ich mußte Augusta und georges [horrocks] versprechen, sie bald wieder und für eine längere Zeit zu besuchen. Am 9. um 11 uhr fuhr ich fort, nach namur, und von da auf der eisen- bahn längs der maas, eine reizende gegend (wie diese auch schon die fahrt von Brainelecomte bis namur gewesen war), bis lüttich, wo ich den eben abgehenden cölnerzug bestieg und nach 8 uhr Abends in cöln war. so- wie die untersuchung der effecten etc. vorüber war, fuhr ich sogleich nach deutz hinüber auf den Berliner Bahnhof, soupirte daselbst und fuhr um 10 uhr weiter. Während ich in suarlée war, und auch schon am letzten tage meines Auf- enthaltes in Brüssel, war ziemlich viel schnee gefallen, so daß ich nun den ganzen Weg bis Berlin und weiter bis an die böhmische grenze (wo derselbe plötzlich ganz aufhörte, und auch eine viel mildere luft wehte) nichts als schnee fand. um 7 uhr des morgens am 4. waren wir in Braunschweig, um 11 in magdeburg und vor 3 uhr in Berlin, wo ich wieder im hôtel meinhardt abstieg. nachdem ich gegessen hatte, fuhr ich zu clementine hinaus und fand sie, da sie eben in ihrer liegeperiode ist, auf ihrem streckbette, auf dem sie nun schon beynahe 3 Wochen tag und nacht zubringt.1 dessenungeachtet fand ich sie sehr gut aussehend, heiter und erfreut mich zu sehen. ich verplau- derte bey ihr den ganzen Abend. 1 clementine, die siebzehnjährige tochter von Andrians cousin frh. eduard v. Andrian- Werburg, befand sich seit september 1851 zur Behandlung in Berlin, vgl. eintrag v. 30.8.1851.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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