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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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54110. März 1852 Wien 10. märz 1852 vormittag Am sonntag den 7. in Prag ging ich vor Allem zu tante marie Belcredi, wo ich einen Brief von gabrielle fand und gleich beantwortete. georges Wald- stein hat noch vor dem tode seiner armen mutter (die am 2. vorigen monats starb) eine försterstochter, mit der er schon ein paar kinder hat, geheira- thet, eine höchst überflüssige gewissenszartheit, welche die familie auf ge- nerationen herunterbringen wird. dann ging ich zu fritz deym und nahm bey ihm ein gabelfrühstück, um mich auf die reise zu stärken. er ist wie immer gekränkt, verletzt und mit der Welt zerfallen, will sich von Prag wegziehen etc. und empfahl seinen felix meiner obsorge, da dieser auf Aufwartung hieher kömmt. um 3 uhr fuhr ich ab, fand im Waggon fürst [Anton] und Paul Palffy, die von dresden kamen, wo die sonntag singt (die auch nach Prag kommen soll), um 1 uhr nachts waren wir in Brünn, wo ich übernachtete und des morgens darauf nach lösch fuhr. egbert und christiane [Belcredi], welche ich beyde seit Jahren nicht gesehen, waren sehr erfreut über meinen Besuch, und ich befand mich circa 24 stunden sehr wohl unter ihnen.1 Am nachmittage ka- men Albert Widmann und seine tochter, welche eben ihre frau, resp. mut- ter verloren haben. die letzten veränderungen in unsrem staatlichen organismus, nament- lich die jüngsten Angriffe auf die alten ständischen institutionen, dann die unverhohlenen schaamlosen lobpreisungen eines nackten Absolutismus und einer schrankenlosen Bureaukratie, welche nun das tägliche thema der ministeriellen Blätter Presse und lloyd (der einzigen, welche schreiben dür- fen) sind, scheinen doch endlich selbst unter unserem theils dummloyalen, theils hasenfüßigen Adel die gehörige Wirkung hervorzubringen. egbert, dessen Ansehen und stellung in mähren zu steigen scheint, ist jedoch viel- mehr als nöthig wäre, und als der drang der Zeit es gestattet, mit exclusiven standesideen, Adelsorganisationen etc. beschäftiget, ich sagte ihm dieses mit großer entschiedenheit. man muß nicht Ziegel brennen (oder doch nur nebenbey), wenn das haus am einstürzen ist. gestern gegen 2 uhr fuhr ich nach Brünn, sah dort gablenz, schlick etc. und war um 1/2 8 in Wien. vom Bahnhofe fuhr ich directe zu gabrielle, die beabsichtigte soirée war durch ein mißverständniß nicht zu stande gekom- men, doch brachte ich den Abend allein bey ihr zu. 1 graf egbert Belcredi schrieb über diesen Besuch in seinem tagebuch vom 10.3.1852: „er [Andrian] bedauert lebhaft, von vielen der gleichgesinnten für einen revolutionär oder französisch constitutionellen angesehen und deshalb vermieden zu werden, was ihm die gelegenheit raube, in seinem und ihrem sinne thätig seyn und etwas leisten zu können.“ Boček (Hg.), Z deníků moravského politika v eře Bachově 35.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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