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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 559 -
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5592. Juni 1852 hofe, wo ich wieder nicht geladen war, cela semble être un parti pris, und beweist, daß ich noch lange nicht rein gewaschen bin in den Augen der ge- rechten. [Wien] 2. Juny ich möchte gerne von hier fort, werde aber durch eine sehr heftige kolik fest- gehalten, welche mich seit einigen tagen martert und ganz abspannt, zu- gleich haben wir jetzt einen jener plötzlichen temperaturswechsel, welche das hiesige clima so unerträglich machen. nach einer 8–10 tägigen hitze von 25–26° plötzlich 10–12°. meine reise nach Pesth habe ich für den Augenblick aufgegeben, weil ich bemerkte, daß die leute noch dümmer sind, als ich es ihnen zutraute (was viel sagen will), und im stande wären, jetzt wo der kaiser hinab kömmt, einen politischen Zweck dahinter zu vermuthen, und im falle der empfang, wie zu vermuthen, nicht befriedigend ausfällt, es mir zuzuschreiben oder doch zu thun, als ob sie es mir zuschrieben, zum theile aus dummheit, zum theile aber auch aus boshafter intrigue. ich werde also erst nach des kai- sers Abreise von Pesth, also um den 10. oder 12. dahin gehen. die Ankunft erfolgt am 5., und es werden große vorbereitungen gemacht, illuminationen, feste etc., kurz Alles was man bezahlen, bestellen und befehlen kann. cle- rus, Behörden, militär etc., kurz Alles was man zum empfange commandi- ren kann, wird sich vollzählig einfinden, so daß verbunden mit dem eben jetzt statthabenden Pesthermarkt und den Pferderennen wirklich die stadt überfüllt seyn wird. Auch werden vermutlich von den hier lebenden ungarn viele der Aufforderung folge leisten, weil das gegentheil beynahe als eine kriegserklärung angesehen werden wird. meiner Ansicht nach sollten die leute kommen, dann aber auch sprechen, bloß um spalier und cortége zu machen, dazu ist der Adel des landes zu gut, d.h. der ungarische Adel, denn der unsrige ist zu nichts Anderem nütz. Palacky war neulich bey mir, immer derselbe sauere nationalitätsnarr, der seine sympathieen nach der grammatik und den sprachwurzeln aus- mißt und diese tollheit keiner Politik, keinem noch so evidenten Bedürf- nisse des momentes unterordnet, in dieser Beziehung ein echter deutscher Professor. mich wundert nur, daß er dabey meine Bekanntschaft so fleißig cultivirt. vor etwa 8 tagen wurde plötzlich Becher und noch 8 andere Beamte des handelsministeriums, dann der ehemalige stadthauptmann nordberg (der zu großer milde wegen entfernt worden war) quiescirt oder entlassen, es soll der erste Anfang einer vollständigen politischen Purificirung des Beamten- standes und die erste maßregel des neuen Polizeyministers kempen seyn. daher zittern nun 9/10 unseres Beamtenstandes, und zwar fast alle som-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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