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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 562 -
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Tagebücher562 nicht mehr aus dem hause, da zudem auch noch ein entsetzlicher sturm eintrat. heute früh war ich bey gabrielle in ofen, aß dann im casino, wo ich eine menge Bekannte fand, machte nachmittags mit gabrielle eine sehr hübsche Promenade auf der margaretheninsel etc. soweit ich nach den vielen menschen, die ich hier gesehen und beobach- tet habe, urtheilen kann, ist die stimmung des Adels durch den Besuch des kaisers eher verschlechtert als verbessert worden, geschweige daß von en- thusiasmus eine spur gewesen wäre. der kaiser war, wie sie sagen, nichts weniger als freundlich, sprach sehr wenig, gar nichts Bedeutendes, und that überhaupt gar nichts, um ihrem nationalitätsgefühle und ihrer eitelkeit zu schmeicheln. die leute dagegen, die ihn von Wien her kennen, sagen, daß er freundlicher war als gewöhnlich, und es scheint überhaupt, daß er mit dem lärmen des empfanges, welchen er wahrscheinlich für enthusiasmus nahm, sehr zufrieden war. freundlichkeit und gemüthlichkeit sowie das ko- mödiespielen, welches für könige so nothwendig ist, liegt aber überhaupt nicht in seinem charakter, er sprach wenig oder gar nicht ungarisch, schien an ungarischen tänzen, trachten, melodieen etc. kein gefallen zu finden etc., lauter fehler hier. dazu wurde der Adel, der nicht kammerherr war, mit auffallender Zurücksetzung behandelt, man ließ den gesammten Adel bey der ersten vorstellung warten, um eine deputation von 1200 Bauern, welche von den comitatsbeamten theils durch geld (man sagt 2 fl per kopf), theils durch Wein hereingepreßt worden waren (was der kaiser freylich nicht wußte), zu empfangen und defiliren zu lassen etc. man wollte einen unterschied erzwingen zwischen hohem und kleinem Adel, zwischen kam- merherren und Anderen, die alte tendenz, womit man unseren dummen Adel zu grunde gerichtet hat, was aber in ungarn nicht anschlägt, kurz das Alles machte sehr böses Blut, dazu kam das militärspielen, die offenbare Bevorzugung der offiziere vor den civilisten etc. endlich hatte man etwas erwartet, zum wenigsten eine Amnestie, statt dessen erfolgte gar nichts. der Adel war übrigens sehr zahlreich gekommen, um seine monarchische ge- sinnung zu zeigen, und war Anfangs, wie es scheint, gut disponirt, freylich war es auch eine Art von Presse gewesen, da die Aufforderungen ämtlich und persönlich an jeden einzelnen geschahen, es dürften ein paar hundert gewesen seyn, beynahe gar keine damen, jedoch verliefen sie sich bald, und bey der Prozession sollen außer den kammerherrn nur mehr sehr wenige gewesen seyn. im übrigen Publicum war ebenfalls keine spur von enthusiasmus, son- dern bloße neugierde, und diese nicht einmahl in dem grade wie zu erwar- ten gewesen wäre. Jetzt reist der kaiser an der theiß und scheint sich große Bauerndemonstrationen zu versprechen, auf die es überhaupt abgesehen scheint, nach den Äußerungen dortiger gutsbesitzer aber soll gerade unter
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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